Haushaltssperre, Tumulte und Mord am Alex

Restauratorin Myriam Krutzsch (Mitte) zeigt Wolfgang Thierse und Friederike Seyfried vom Archäologischen Zentrum illustrierte Totenbücher. (Foto: Dirk Jericho)
 
Als es um den Mauerpark ging erzwangen Demonstranten den Abbruch der BVV-Sitzung. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Wieder ist ein Jahr vorbei. Die Berliner Woche war Ihr verlässlicher Begleiter, sprach mit den Verantwortlichen im Bezirk und erklärte die Entwicklungen im Bezirk. Wir berichten Woche für Woche über tolle Projekte, engagierte Menschen und spannende Geschichten in den Quartieren.

Januar: Um den Alexanderplatz attraktiver zu machen, gründen Anwohner, Geschäftsleute, Bezirk, Polizei und weitere Akteure ein "Bündnis der Verantwortung".Ex-Baustadtrat Ephraim Gothe wird zum Baustaatsekretär ernannt.

Die WBM startet das Imageportal "Jeder Quadratmeter Du", auf dem Mieter und Plattenbaufans alles rund um die DDR-Wohnkisten erfahren.

Februar: Kurz vor der Zwangsräumung gibt es eine Lösung im jahrelangen Streit über das Wohn- und Kulturprojekt Schokoladen in der Ackerstraße. Hausbesitzer Markus Friedrich verkauft das Haus im Dezember 2012 an die Schweizer Stiftung Edith Maryon, die es an den Schokoverein verpachtet.

Professor Johannes Vogel wird neuer Chef des Naturkundemuseums.

März: Weil die Betonstelen am Holocaust-Mahnmal zerbröseln, müssen 380 Blöcke mit Stahlmanschetten gesichert werden.

Der verschuldete Bezirk will wieder Jugendklubs wie das Werk 9 schließen. Nach Protesten gibt es am Jahresende keine Kürzungen. Der Jugendhilfeausschuss will 2013 den Senat wegen permanenter Unterfinanzierung verklagen.

April: Im Fernsehturm wurden wurden für 1,5 Millionen Euro Restaurant, Aussichtsetage und Eingangshalle komplett modernisiert.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und BVG-Chefin Sigrid Nikutta geben den Startschuss für die Tunnelbaustelle der U5-Verlängerung.

Mai: Die Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" wird ihren Zentralcampus in den früheren Opernwerkstätten an der Chausseestraße errichten. Die SPD wollte den Plan stoppen. Nach massiven Protesten bleibt es nun bei dem Umzug nach Mitte.

Der verschuldete Bezirk lässt erstmals im Sommer seine Kinderplanschen aus, weil er kein Geld für Wasser hat.

Juni: Auf dem Gelände des ehemaligen Bundespressestrandes am Kapelleufer beginnen die Arbeiten für das neue Gebäude des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das 2014 fertig sein soll.

Der neue Spielplatz im Planschepark ist fertig. 2013 soll das Planschbecken abgerissen und ein Wasserspielplatz gebaut werden.

Auf der Fläche von Beach Mitte am Nordbahnhof wird der große Pavillon vom Bundespressestrand als neue Partylocation aufgestellt.

Juli: Weil der Bezirk als einziger keinen Haushaltsplan hat, stellt der Finanzsenator Mitte unter Haushaltssperre. Diese gilt immer noch; auch Ende 2012 hat Mitte keinen beschlossenen Haushalt für 2012.

Die Technoparty B-Parade am 21. Juli auf der Straße des 17. Juni wird abgesagt, weil zu viele Sponsoren ausgestiegen waren.

Die U6 wird bis Herbst 2013 zwischen Französische Straße und Friedrichstraße unterbrochen, weil die BVG auf der Kreuzung Unter den Linden / Friedrichstraße den neuen U-Bahnhof Unter den Linden baut.

August: Wegen Tumulten von Demonstranten gegen die Mauerpark-Pläne wird erstmals eine BVV-Sitzung abgebrochen. Doch in der Wiederholungssitzung wird der umstrittene Mauerpark-Vertrag beschlossen. Am Jahresende steht nach 23 Jahren Streitereien der Kompromiss: Der Park wird um fünf Hektar erweitert. Im Gegenzug darf der Grundstückseigentümer 600 Wohnungen nördlich der Gleimbrücke bauen.

Anlässlich der 775-Jahr-Feier wird auf dem Schlossplatz ein begehbarer Stadtplan gemalt.

September: Das weltberühmte Kunsthaus Tacheles wird geräumt und steht jetzt leer. Die HSH Nordbank als Gläubigerin will das 2,4 Hektar große Areal mit der Kunsthaus-Ruine frühestens Mitte 2013 meistbietend versteigern.

Grünen-Fraktionssprecherin Andrea Fischer verlässt nach knapp einem Jahr die BVV und wird Regionsrätin in Hannover. Auch die zweite Fraktionssprecherin der Grünen, Jutta Schauer-Oldenburg, hört Ende des Jahres auf.

Oktober: Bei einem brutalen Angriff wird der 20-jährige Jonny K. am 14. Okober in der Rathausstraße am Alex so schwer verletzt, dass er an den Folgen stirbt. Der Haupttäter ist in die Türkei geflüchtet. Das Verbrechen löst deutschlandweit Diskussionen über Gewaltexzesse aus.

Das erste Hochhaus in der neuen Europacity am Hauptbahnhof wird als Zentrale des französischen Mineralölkonzerns Total eröffnet.

Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung eröffnet seine Zentrale am Nordbahnhof.

November: Im Streit um die Schließung des Bärenzwingers im Köllnischen Park beschließt die BVV, darüber erst nach der Winterpause zu entscheiden. Tierschützer fordern seit langem "Freiheit für Maxi und Schnute" und hoffen, dass der klamme Bezirk die Bären in einen Wildpark abgibt.

Gegenüber vom Bodemuseum wird das neue Archäologische Zentrum der Staatlichen Museen eröffnet.

Dezember: Die private Fotogalerie C/O Berlin verlässt Mitte und zieht ins Amerikahaus am Bahnhof Zoo. Den gewünschten Umzug vom Postfuhramt in die Atelierhäuser im Monbijoupark hatte der Bezirk nicht genehmigt. Die Häuser werden jetzt abgerissen.


Dirk Jericho / DJ
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden