Hausprojekt Schokoladen dauerhaft gesichert

Das Kulturprojekt Schokoladen bleibt, die Schmuddelfassade auch. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Das Kultur- und Wohnprojekt Schokoladen in der Ackerstraße 169 startet positiv ins neue Jahr. Die Verträge zwischen Hauseigentümer, der Schweizer Stiftung Edith Maryon und dem Hausverein Golden Acker e.V. sind seit Ende Dezember in trockenen Tüchern.

Wie berichtet, hatten sich nach jahrelangen Querelen und Räumungsklagen kurz vor der im März 2012 angesetzten Zwangsräumung Hauseigentümer Markus Friedrich mit der Schweizer Stiftung Edith Maryon auf einen Verkauf der maroden Immobilie geeinigt. Friedrich konnte im Gegenzug ein landeseigenes Grundstück an der Ackerstraße Ecke Elisabethkirchstraße kaufen, auf dem er noch in diesem Jahr ein Wohn- und Geschäftshaus bauen will. Die "Stiftung zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten" hat vor wenigen Tagen mit dem Trägerverein des Hausprojektes, dem Golden Acker e.V., einen Erbbaupachtvertrag über 99 Jahre geschlossen. Damit ist das Wohn- und Kulturprojekt mit der Schokoladen-Kneipe, dem Club der polnischen Versager, mehreren Ateliers und Probenräumen sowie dem Theater AckerStadtPalast gerettet. Mit diesem Modell hat die Stiftung bereits die ehemaligen Rotaprint-Werke in Wedding als Kulturstandort gerettet. In dem Haus leben rund 25 Leute; ein Mieter wohnt hier bereits seit den 1960-er Jahren. Der Hausverein will in den kommenden Monaten "eine Bestandsicherung" durchführen, wie Schoko-Sprecher Chris Keller sagt. Zu diesen dringend notwendigen Sanierungsarbeiten sind die Nutzer auch vertraglich von der Stiftung verpflichtet worden. "Wir machen nur das notwendigste und werden die Fassade nicht cremefarben wie die anderen Häuser in der Ackerstraße streichen", so Keller. "Schoko bleibt schmutzig und basic", sagt er deutlich.

Die bisher sehr niedrigen Mieten für Gewerbe und Wohnungen müssen angehoben werden. Sie werden "im Durchschnitt bei fünf Euro liegen und damit weiterhin günstig für diesen Kiez in Mitte sein", sagte Chris Keller. Das Kulturprogramm im Schokoladen-Cafe soll auch zukünftig eine Mischung aus Livekonzerten, Karaoke-Abenden, Lesungen, Partys und Open Stage Nächten sein. Auch hier werden die Eintrittspreise demnächst wahrscheinlich angehoben, weil der Schokoladen e.V., der das Cafe betreibt, jetzt auch mehr Miete zahlen muss.

Zwei Jahrzehnte Kampf

Mit den jetzt unterzeichneten Verträgen endet ein 20 Jahre langer Streit. Der Fliesengroßhändler Markus Friedrich hatte das marode Haus, das nach der Wende von jungen Leuten besetzt worden war, 1993 gekauft. Im Hof befand sich bis 1971 eine Schokoladenfabrik. Der Hausbesitzer hatte seit Jahren versucht, die Schokoladen-Leute loszuwerden, um endlich sanieren zu können. Die Klagewellen gipfelten im Februar vergangenen Jahres in einer angesetzten Zwangsräumung, die wenige Tage vorher wegen erneuter Verhandlungsversuche gestoppt worden war. Die Kompromisslösung wurde von der Bezirkspolitik unterstützt. Frank Bertermann von den Grünen hatte schon 2010 zur Lösung des Konfliktes das jetzt erfolgreich abgeschlossene Tauschgeschäft vorgeschlagen. Friedrich soll etwa 1,5 Millionen Euro von der Stiftung für sein Haus bekommen haben. Er hat ein Ersatzgrundstück auf dem landeseigenen Areal der abgerissenen Hemingway-Schule in der Ackerstraße gekauft und wird hier noch in diesem Jahr ein Wohn- und Geschäftshaus bauen.

Dirk Jericho / DJ
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