Hilfe für Wohnungslose aus Osteuropa

Die neuen Kältehelfer: Katarzyna Hudec (links), Marie-Therese Reichenbach und Andrzej Fikus. (Foto: Liptau)

Hansaviertel. Helfen geht eben doch nicht ganz ohne Worte: Die Gebewo - soziale Dienste gGmbh hat drei Mitarbeiter eingestellt, die sich vor allem um die osteuropäische Nutzer der Berliner Kältehilfe kümmern werden. Denn sie sprechen russisch, polnisch und baltische Sprachen.

"Das, was Sie machen, ist wichtiger als manche Arbeit in unserer Gesellschaft, die zwar viel Kohle bringt, aber sonst wenig sinnstiftend ist", sagte Gesine Schwan zu den drei neuen "Frostschutzengel" der Gebewo bei der Projektpräsentation am 15. November im U-Bahnhof Hansaplatz. Die frühere Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und zweimalige Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten engagiert sich als Schirmherrin für das neue Projekt. Ein grenzenloses Europa, das sich vor wenigen Jahren nach Osten hin erweitert hat, bedeutet eben nicht nur gemeinsames Studieren oder Austauschen von Waren. Sondern unter Umständen auch persönliches Scheitern in der Fremde.

Schon seit mehreren Jahren würden die Einrichtungen der Berliner Kältehilfe beobachten, dass immer mehr Nutzer aus osteuropäischen Ländern ihre Hilfe benötigen, weil sie hier gestrandet sind. Genaues Zahlenmaterial liegt nicht vor. Doch die Gebewo geht davon aus, dass der Anteil osteuropäischer Hilfesuchender inzwischen bis zu 50 Prozent beträgt. "Die wundervolle Idee eines vereinigten friedlichen Europas ohne Grenzen heißt auch Schutz und Hilfe für obdachlose Migranten", sagt Gebewo-Geschäftsführer Robert Veltmann. "Entweder ein Ja zur EU und dann mit allen Konsequenzen oder ein Nein zur EU. Ein bisschen schwanger geht nicht."

Die drei neuen Mitarbeiter werden in den kommenden kalten Monaten zu festen Zeiten wöchentliche Beratungstermine in Notübernachtungen und Wohnungslosen-Tagesstätten anbieten. "Der Bedarf ist auf jeden Fall da", sagt Katarzyna Hudec, eine der Helferinnen mit polnischen Wurzeln. Sie freut sich über "die Erleichterung in den Gesichtern dieser Menschen", wenn sie feststellen, dass sie eine gemeinsame Sprache sprechen. Mit ihrer Arbeit will sie den Hilfesuchenden "einen Schritt nach vorn anbieten". In Berlin stehen Wohnungslosen insgesamt 16 Nachtcafés und 17 Notübernachten zur Verfügung. Dabei kommen die Einrichtungen gemeinsam auf eine Zahl von 430 Übernachtungsplätzen.

Der Senat hatte für diesen Winter eigentlich einen Bedarf von 500 Plätzen festgestellt. "Wir finden dafür aber nicht die geeigneten Immobilien", erklärt Veltmann. Und auch am Geld hapert es natürlich: Für die drei Frostschutzengel gibt es keine öffentliche Förderung, das Programm läuft vollständig über Spenden.

Weitere Informationen gibt es i unter www.frostschutzengel.de und 463 03 90 25.

Ralf Liptau / flip
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