Im Hexenkessel brodelt die Lust am Laster

Amphitryon (Matthias Horn), Jupiter (Milton Welsh) und Alkmene (Anja Pahl) geben ihr Bestes. (Foto: Bernd Schönberger)

Mitte. Diesen Sommer verwandelt sich das Amphitheater im Monbijoupark in eine Arena menschlicher und allzumenschlicher Lüste und Laster.

Mit Hilfe des überbordenden Spieltriebs vom virtuosen Ensemble Hexenkessel, aufwendiger Kostüme und Lust an der Komödie wird der Natur der Spezie Mensch auf den Pelz geschaut. "Amphitryon" heißt sowohl das Stück wie auch der Protagonist dieser satirischen Steilvorlage abgründiger Charakterstudien. Der Klassiker des 17. Jahrhunderts karikiert die Lust an der Maßlosigkeit und der Intrige und liefert damit neben erstklassiger Unterhaltung auch einen augenzwinkernden Beitrag zur derzeitigen Moraldebatte. Die Hexenkessel-Bearbeitung brilliert wie gewohnt durch Action, Aktualitätsverweise und Wortwitz. Ursprünglich als Mythos um die Geburt des Herkules erdichtet, mutierte die Sage im Laufe der Jahrtausende zu einem aberwitzigen Spiel um die Kunst der Verführung, skrupellose Rücksichtslosigkeit und einem barocken Spaß am Doppelgängerspiel: Der thebanische Abgeordnete Amphitryon ist in die Verhandlungsschlacht um einen neuen Kredit für die Pleitestadt Theben gezogen. In der Nacht seiner Rückkehr erscheint der Götterkönig und Generaldirektor des Olymp, Jupiter, dessen Frau Alkmene und erschleicht sich eine heiße Liebesnacht, in dem er ihr in der Gestalt Amphitryons erscheint. Dessen Diener Sosias wiederum wird von dem Götterboten Merkur vom Betreten des Hauses abgehalten, indem er ihm als sein Ebenbild die Existenz streitig macht und ihn schließlich vom Hof prügelt. So beginnt ein göttliches Verwechslungsspiel, in dem bald keiner mehr weiß, wer der andere, geschweige denn, wer er selbst ist.

Und während Jupiter sich ein Spiel daraus macht, die verwirrte "Amphitryon" nach Jean-Baptiste Molière steht bis 31. August, jeweils Di-Sa um 19.30 Uhr auf dem Spielplan im Amphitheater gegenüber vom Bode-Museum, Eingang Monbijoustraße.


Manuela Frey / my
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