Mit Bernd S. Meyer auf dem Neustädtischen Kirchplatz

Mitte. Der kurze Spaziergang vom Dorothea-Schlegel-Platz am Bahnhof Friedrichstraße zur Straße Unter den Linden ist ein etwa 350 Meter langer Weg durch mindestens 350 Jahre Berliner Geschichte.

Ziemlich schnell kommt man an einen rechtwinkligen Platz mit Rasen, Wegen und Bänken. Gegenüber, in der Neustädtischen Kirchstraße 4/5, im einstigen Warenhaus für Armee und Marine, saß ab 1977 die Botschaft der Vereinigten Staaten. 2008 zog sie in ihren Neubau am Brandenburger Tor um. Als Sperrpoller wie Betonelemente verschwunden waren, entschloss sich der Senat, die Brachfläche nicht wieder zum anonymen Parkplatz rückzuverwandeln. So taucht der Name Neustädtischer Kirchplatz seit Kurzem auch in Stadtplänen auf. Neu ist die Stadtgegend keineswegs, alle vier angrenzenden Straßen gibt es schon seit der Zeit des Großen Kurfürsten. Ab 1678 wurde die Neustädtische Kirche auf Geheiß von Kurfürstin Dorothea erbaut. Es entstand ein schlichter barocker Zentralbau, immerhin erster evangelischer Kirchenneubau Berlins seit der Reformation. Er wurde lange von Lutheranern und Französisch Reformierten genutzt, dann von einer Ziegelbasilika im Rundbogenstil ersetzt. Ringsum wohnten vor allem Hugenotten, jene protestantischen Flüchtlinge aus Frankreich, die der Große Kurfürst nach Brandenburg eingeladen hatte. Mit ihren Luxus-Handwerken, etwa Strumpf- und Handschuhwirkerei, Silber- und Goldverarbeitung begann Berlins wirtschaftlicher Aufstieg.

"Quartier des Nobles" hieß es bald respektvoll. Die Neustadt erhielt schon 1674 das Stadtprivileg, bald den Namen der Kurfürstin. Sie war erste Neugründung außerhalb der Befestigung.

Die Stadt war von einer eigenen Mauer, dem Hornwall umschlossen und von einem Graben, der auf der Nordseite bald wenig kriegerisch Katzengraben hieß. Die Dorotheenstadt hatte ab 1690 einen Magistrat, aber weder Marktplatz noch Rathaus. Dafür stand auf ihrem Gebiet das militärische Pferdequartier Kurfürstlicher Marstall, in dem auch die Akademie unterkam. Lange Jahre war dies größter Bau der jungen Stadt. Heute ist hier die Staatsbibliothek.

Abriss und Neubau, die Stadtbahn, Kriegszerstörungen, Wiederaufbau und moderne Neubauten haben das alte Stadtquartier an der Nordwestseite der "Linden" radikal verändert. Es grenzt an ein Wunder, dass noch ein über 200 Jahre altes Wohnhaus erhalten ist: das Schadowhaus. 1959 wurde es restauriert. Johann Gottfried Schadows bekanntestes Werk findet sich ganz in der Nähe, nämlich als Viergespann samt Wagenlenkerin oben auf dem Brandenburger Tor. Sein berühmtes Grabmal des Grafen von der Mark steht nach dem Abriss der Dorotheenstädtischen Kirche (1965) in der Nationalgalerie.

Schon zu seinen Lebzeiten ist die einstige Mauerstraße, dann Kleine Wallstraße, nach ihrem verdienten Anwohner in Schadowstraße umbenannt worden. Der Dorotheenstädtische Friedhof, 1762 weit hinter der Spree an der Chausseestraße angelegt, ist zum bekanntesten Prominentenfriedhof der Stadt geworden.

Die einstündige Führung mit Bernd S. Meyer, dem Mann mit der Leiter, beginnt am 15. Dezember um 11 Uhr. Treffpunkt ist am Dorothea-Schlegel-Platz, Georgen-/Ecke Neustädtische Kirchstraße, Nähe Bahnhof Friedrichstraße.

Die Teilnahme ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 14. Dezember, von 10 bis 12 Uhr unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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