Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer am Kastanienwäldchen

Mitte. Der Platz um die Neue Wache ist ein geschichtsträchtiger Ort. Die Kastanien haben viel gesehen. Noch Anfang des vorigen Jahrhunderts roch es in der einstigen Königswache nach Gewehröl und Stiefelwichse. Heute ist sie die Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik.

Als erster königlicher Bau nach den Befreiungskriegen folgte sie der bescheidenen Kanonierwache am Zeughaus, die seit Abbruch der Festungswälle dort stand. Schinkel hatte für den militärischen Zweck die Form eines römischen Kastells gewählt und schuf so zwischen Zeughaus und Universität, nahe der Königlichen Oper, einen herausgehobenen Platz in Preußens Hauptstadt.

Der Wachaufzug wurde ein wiederkehrendes gesellschaftliches Ereignis, auf berühmten Gemälden dargestellt. Kaiser Wilhelm I. soll das Spektakel stets vom Fenster seines Alten Palais beobachtet haben.

Freiherr vom und zum Stein, der Reformer Preußens in napoleonischer Zeit, hatte noch hinter der alten Wache, im Donnerschen Haus aus der Zeit Friedrichs II. seine Dienstwohnung gehabt. Als er sie räumte, zog das preußische Finanzministerium ein, blieb länger als ein Jahrhundert dort. Spätklassizistisch umgebaut, wurde es zum Palais am Festungsgraben.

Gleich am Finanzministerium war, ebenfalls nach Schinkelentwurf, das Haus der Singakademie entstanden. 1848 hatte hier die frei gewählte Preußische Nationalversammlung getagt, vier Tage nach der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt. 1947 wurde aus Ruinen ein Theater aufgebaut, seit 1952 heißt es nach Maxim Gorki, ist eines der Berliner Staatstheater. Davor steht jetzt wieder die Büste des Musikers Carl F. C. Fasch, der die "Singe-Academie zu Berlin" gegründet hatte.

Der alte Festungsgraben, nach dem Palais und anliegende Straße heißen, verschwand endgültig mit dem Bau der Berliner Kanalisation. Kaiser Wilhelm II. ließ später, fast im ehemaligen Grabenverlauf, den Tunnel zur Querung der "Linden" bauen. Genau am ehemaligen Tunneleingang steht nun das Denkmal des Dichters Heinrich Heine.

Das übrig gebliebene Tunnelstück unter dem Platz ist jetzt Gorkitheater-Magazin. Auf der Ostseite des Kastanienwäldchens steht seit drei Jahrhunderten das Zeughaus, mit den berühmten Masken der sterbenden Krieger im Schlüterhof. Vor sechzig Jahren weitgehend im Original wiederhergestellt, ist der Barockbau nun durch einen neuen Tunnel mit dem Pei-Bau daneben verbunden.

Das Haus mit dem gläsernen Treppenturm gilt als einer der bedeutendsten Ausstellungs-Neubauten in Berlin. Kanzler Helmut Kohl hatte I.M. Pei, den chinesisch-amerikanischen Architekten und berühmten Schüler von Walter Gropius zu diesem Erweiterungsbau für das Deutsche Historische Museum gewonnen. Hatte der doch schon mit der gläsernen Eingangspyramide für den Louvre in Paris Furore gemacht!

Die Führung mit Bernd S. Meyer, dem Mann mit der Leiter, beginnt Sonnabend, 14. Dezember, 11 Uhr. Treffpunkt ist am Heinrich-Heine-Denkmal links hinter der Neuen Wache Unter den Linden. Verkehrsverbindung: Bus 200 bis Humboldt-Universität oder acht Minuten Fußweg vom U/S-Bahnhof Friedrichstraße.

Die Teilnahme ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am 13. Dezember von 10 bis 12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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