Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer am Kollwitzplatz

Prenzlauer Berg. Käthe Kollwitz ist immer da. Sie sitzt mitten auf dem Platz, der ihren Namen trägt und ihr Blick geht in unbestimmbare Ferne. 1920 hieß der Platz noch Wörther Platz. Er war plötzlich die Mitte des neuen Bezirks "Vor dem Prenzlauer Tor" von Groß-Berlin.

Das neue Bezirksparlament setzte 1921 Prenzlauer Berg als Namen durch. Käthe Kollwitz, die berühmte Zeichnerin, Grafikerin und Bildhauerin, wohnte jahrzehntelang hier. Seit Oktober 1947 heißt die Weißenburger Straße Kollwitzstraße und der Wörther Platz Kollwitzplatz. Zu den berühmten Künstlern, die später hier lebten, gehörte der Maler Harald Metzkes, Ende der 1950er Jahre Meisterschüler der Akademie der Künste. Im heißen Herbst 1989 flüchteten junge Leute am Kollwitzplatz entlang, die von der Polizei aus der Umgebung des Palasts der Republik und vom Alexanderplatz weggetrieben wurden. Ein Jahr später gründete sich im Umfeld des schon mythischen Cafés Westphal eine Freie Republik Utopia, von der noch jahrelang das Walpurgisnacht-Fest zehrte.

Als in der Mainacht 1995 wieder die Hexen tanzen wollten, lieferten sich Polizei, Feiernde und mehrere Hundert dazugestoßene Kreuzberger die "Schlacht am Kollwitzplatz".

Schon 1993 war vom Senat das Sanierungsgebiet Kollwitzplatz festgelegt worden. Davon profitierten vor allem zugezogene junge Leute. Sie sorgten für neue Bürgerlichkeit und nach einigem Zögern auch für die beispiellose Kinderdichte der inzwischen ziemlich teueren Gegend, die spöttisch Schwabylon genannt wird. Die wenigen Altbewohner müssen sich wohl daran gewöhnen, dass die Schrippen beim Bäcker anders heißen könnten als vor 15 Jahren. Aber ein Schwaben-Denkmal gibt es nicht. Das steht im Südwesten vor dem Rathaus Wilmersdorf, die Sieben Schwaben samt Spieß.

Die 100. Plätze-Führung mit Bernd S. Meyer beginnt am Sonnabend, 27. April, 11 Uhr. Treffpunkt ist an der Ecke Kollwitz-, Knaackstraße. Verkehrsverbindung: U 2 bis Senefelderplatz, von dort durch die Kollwitzstraße, oder Straßenbahn M 10 bis zur Husemannstraße, von dort drei Minuten. Die Teilnahme ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 26. April, von 10 bis 12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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