Mit Stadtgänger Bernd S. Meyer am Magdeburger Platz

Tiergarten. Die Gegend am Lützowufer und Schöneberger Ufer des Landwehrkanals gehörte schon ab 1861 zu Berlins Südwesten, zuerst als Schöneberger Vorstadt. Seit 1874 gibt es mittendrin den Magdeburger Platz.

Stadtbekannt ist der Platz als Sitz des Landesarbeitsgerichts. Nahebei erinnern bauliche Überbleibsel an jenes Viertel, das Gärtnerei- und Gutsbesitzer Georg F. Kielgan schon vor dem Gründerzeitboom auf seinen Ländereien anlegen ließ.

Am Magdeburger Platz 4, einst Gründerzeitmietshaus, wohnte Ende des 19. Jahrhunderts die berühmte Familie Benjamin. Philosoph und Schriftsteller Walter Benjamin wurde hier geboren.

Im Kapitel "Markthalle" seines Buches "Berliner Kindheit um neunzehnhundert", schrieb er: "Hinter Drahtverschlägen, jeder behaftet mit einer Nummer, thronten die schwerbeweglichen Weiber, Priesterinnen der käuflichen Ceres, Marktweiber aller Feld- und Baumfrüchte, aller essbaren Vögel, Fische und Säuger, Kupplerinnen, unantastbare strickwollene Kolosse ..."

1888 war nämlich mitten auf dem Platz die Markthalle Nr. V gebaut worden, eine von 14 damals hochmodernen Berliner Hallen. Sie war bald eine Drei-Städte-Halle, denn Kundschaft kam auch aus nahen Straßen Charlottenburgs und Schönebergs.

Diese erste freistehende Halle Berlins mit einer Kantenlänge von etwa 68 mal 28 Metern beherrschte die Platzfläche. Wegen Kriegsschäden wurde sie 1956 abgerissen, der Platz begrünt.

In Magdeburg, der heutigen Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, wurde der Name der Stadt gern auf "Mägde" bezogen, jene klugen und törichten Jungfrauen am Paradiesportal des Magdeburger Domes. Neuerdings wird er aber auch als "Mächtige Burg" gedeutet. Nach dieser Lesart würde sich der Platzname weniger auf die dienstbaren "Mädchen" der umliegenden Straßen beziehen, sondern auf jene freiheitliche militärische Tradition, die mit Straßennamen wie Lützow, Reichpietsch und Stauffenberg in der Umgebung verbunden ist: Befreiungskriege 1813, Matrosenaufstand in der Kaiserlichen Marine 1917, Attentat auf Hitler 1944. Im nahen Bendlerblock befindet sich heute der Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums für Verteidigung.

Die Führung mit Bernd S. Meyer, dem Mann mit der Leiter, beginnt am 22. März um 11 Uhr. Treffpunkt ist auf dem Platz an der Genthiner Straße. Verkehrsverbindung: U 2 Nollendorfplatz, zehn Minuten über Lasker-Schüler-Straße und Genthiner Straße, oder U 1 Kurfürstenstraße, sieben Minuten über Genthiner Straße.

Die Teilnahme ist für Leser der Berliner Woche kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 21. März, von 10 bis 12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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