Neubau des Archäologischen Zentrums eröffnet

Mitte. Ende Oktober wurde nach dreijähriger Bauzeit das Archäologische Zentrum in den Museumshöfen auf dem Gelände der ehemaligen Friedrich-Engels-Kaserne gegenüber vom Bodemuseum eröffnet.

In das Reich von Restauratorin Myriam Krutzsch kommt man nur über eine Klimaschleuse. Im neuen Depot der Papyrussammlung des Ägyptischen Museums lagern in modernsten Archivschränken allein über 35 000 Objekte, die Forscher aus den Häusern der Museumsinsel auf ihren Expeditionen in Ägypten ausgegraben haben. Damit die Kunstschätze nicht kaputt gehen, sind die neuen Depoträume auf exakt 21 Grad klimatisiert und die Luftfeuchtigkeit wird unter 50 Prozent geregelt. Über 100 Wissenschaftler, Restauratoren und Fotografen arbeiten im neuen Archäologischen Zentrum, das die Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Staatlichen Museen gegenüber der Museumsinsel gebaut hat. In dem Neubau werden die Studiensammlungen von fünf Archäologiemuseen aufbewahrt; hunderttausende Sammlungsgegenstände aus den Berliner Grabungen wie 3000 Jahre alte Särge, Teppiche aus dem Orient, Holzstatuen oder Steinskulpturen. Erstmals sind die Objekte im "Haus für Wissenschaft und Forschung" vereint. Bisher waren die Depots und Bibliotheken in den einzelnen Museen verstreut. Papyrusexpertin Myriam Krutzsch zum Beispiel arbeitete bisher im Keller des Pergamonmuseums neben der Heizungsanlage.

Und wenn der Funktionsbau der Architekten vom Büro Harris + Kurrle Architekten den "Charme einer Sporthalle" habe, so Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dann sei das Haus "eine Hochleistungsdenksporthalle".

Ziel ist es, die Museen freizuräumen von den Funktionsbereichen und Platz für Ausstellungsflächen zu schaffen. Im Archäologischen Zentrum mit den hochmodernen Restaurierungswerkstätten und Depots sind auch die Verwaltungen der Museen untergebracht.

Es ist "kein Schaugebäude, sondern der Backstage-Bereich", so Parzinger. Die neue Bibliothek mit über 200 000 Bänden steht zwar vorrangig internationalen Wissenschaftlern und Studenten zur Verfügung, ist aber öffentlich. Die Studien- und Lesesäle sind so konzipiert, dass ein gleichzeitiges Arbeiten mit Schriftquellen und Artefakten möglich ist. Ein Novum ist die von der Kunstbibliothek eingerichtete Archäologische Bibliothek: In mehr als 150 Jahren haben die Häuser der Museumsinsel einzigartige Literaturbestände zur Archäologie zusammengetragen, die bisher für die Öffentlichkeit nie in ihrer Gesamtheit zugänglich waren.

Masterplan - Die Zukunft der Museumsinsel

Das Archäologische Zentrum ist eine weitere Etappe im vor 13 Jahren beschlossenen Masterplan, sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann bei der Eröffnung. Der Neubau in den Mueumshöfen hat 47 Millionen Euro gekostet. Nach dem Masterplan wird die 1999 zum UNESCO-Welterbe erklärte Museumsinsel wiederhergestellt und weiterentwickelt. Drei der fünf Museumsbauten wurden bereits saniert. Derzeit läuft der Bau der James-Simon-Galerie als neues Eingangsgebäude zur Museumsinsel. Nach Sanierung und Erweiterung des Pergamonmuseums soll der Besuchermagnet 2027 wieder komplett für das Publikum zugänglich sein. Neben dem Archäologischen Zentrum ist ein Erweiterungsbau für das Bodemuseum geplant. In dem Neubau sollen Gemälde der "Alten Meister" gezeigt werden. Für das Gelände, das so groß ist wie das Bodemuseum, lässt die Stiftung derzeit Nutzungsvarianten untersuchen. Insgesamt investiert der Bund auf der Museumsinsel 1,4 Milliarden Euro. Jedes Jahr besuchen drei Millionen Menschen das einzigartige Ensemble der Museumsinsel. Die hier gezeigten Sammlungen spannen einen Bogen von der Prähistorie über die Antike bis hin zur Kunst des 19. Jahrhunderts. Detailierte Informationen zur Zukunft der Museumsinsel gibt es auf der neuen Internetseite http://www.museumsinsel-berlin.de.

Dirk Jericho / DJ
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