Neubauprojekt behindert Sportverein

Auch über 70 Kinder trainieren im TC Berlin-Mitte. Karlos, Luke, Bogdan, Alicia und Vereinschefin Ina Streubel kämpfen um ihre Tennishalle. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Hat sich der Bezirk von einem Privatinvestor über den Tisch ziehen lassen? Das zumindest glaubt der Tennisclub Mitte (TCM), und befürchtet Schäden für seine Halle.

Appartements und Penthouse-Wohnungen mit Dachgärten - die Firma Ordrupdal baut auf dem Grundstück in der Köpenicker Straße 124 über 70 "hochwertige Neubauwohnungen, deren Käufer sich in einigen Jahren über einen guten Wertzuwachs freuen können", heißt es in der Imagebroschüre. Die Freude geht jedoch zu Lasten des TC Berlin-Mitte A. Gutzmann, wie Vereinsvize Fred Bruss sagt. Der Tennisclub hat als Pächter auf dem bezirkseigenen Grundstück in der Melchiorstraße 19 vor zehn Jahren eine neue Tennishalle für eine Million Euro gebaut.

Die zukünftigen Eigentumswohnungen grenzen direkt an die 50 Meter lange Stahlhalle. Der Verein hat von dem Bauprojekt erst erfahren, als beim Schuppenabriss nebenan "Steine in unseren Hof geflogen sind", wie Fred Bruss sagt. Er befürchtet, dass die Halle durch die Bauarbeiten stark beschädigt wird und sein Verein jahrelang der Mängelbeseitigung hinterherlaufen muss. Es gebe schon Risse, die immer größer werden. Professor Manfred Puche, den der TCM als Gutachter beauftragt hat, geht von rund 70 000 Euro Kosten für die Mängelbeseitigung aus, die durch den Hausbau an der Tennishalle entstehen werden.

Damit die Tennishalle nicht einbrechen kann, will der Investor zunächst eine Stützwand zwischen seiner zukünftigen Kellerwand und der Halle bauen. Die wird mit 31 sogenannten HDI-Ankern gesichert, die unter die Halle getrieben werden. Die Anker können später im Boden bleiben, müssten jedoch raus, falls der Bezirk irgendwann die Tennishalle abreißen und einen Neubau unterkellern will. In einer nachbarschaftlichen Vereinbarung hat sich das Sportamt diese eventuell anfallenden Kosten einmalig mit 6000 Euro bezahlen lassen. Laut Sachverständigen-Gutachten müsste man für den Rückbau der 31 Anker jedoch mindestens 52 000 Euro ansetzen. "Das ist Entwertung von Landeseigentum", ärgert sich Fred Bruss, der in die Verhandlungen zur nachbarschaftlichen Vereinbarung nicht involviert war.

Dass sich der Bezirk so abspeisen lässt, damit ein Privatinvestor seine Tiefgarage bauen kann, ärgert auch den Bauausschussvorsitzenden Frank Bertermann (Grüne). Er fordert in der BVV am 21. November erneut, dass sich Investor, Bezirk und Tennisverein an einen Tisch setzen, um eine neue nachbarschaftliche Vereinbarung "zu Gunsten verbesserter Konditionen für Bezirk und den Grundstückspächter TC Berlin-Mitte" zu verhandeln. Der zuständige Sportstadtrat Ulrich Davids (SPD) lässt durch seinen Sportamtsmitarbeiter Thomas Vogeley ausrichten, "dass es keine Probleme gibt." Mögliche Schäden an der Halle würde der Investor beseitigen. Weil keine Wertminderung eintrete, seien die 6000 Euro in Ordnung. Fred Bruss hat auch Angst, wenn unter der Tennishalle durch alte Kellerfundamente hindurch meterlange Anker gebohrt werden. Obwohl die Halle während der Bohrungen nicht gesperrt werden muss, will Bruss in dieser Zeit niemanden rein lassen. Es könnte ja sein, dass der Bohrer auf einen Blindgänger stößt.


Dirk Jericho / DJ
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