Neues Kapitel in der Ausstellung des Jüdischen Museums

Die Porträtwand von Minka Hauschild. (Foto: Copyright: Jüdisches Museum, Alexander Zuckrow)

Kreuzberg. Die beiden größten Gerichtsverfahren zu den NS-Verbrechen waren in der Bundesrepublik der Ausschwitz-Prozess von 1963 bis 1965 sowie der Majdanek-Prozess zwischen 1975 und 1981.

Beiden widmet sich jetzt ein neues Kapitel in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums, Lindenstraße 9-14. In Textdokumenten sowie Filmausschnitten geht es nicht nur um den Verlauf der Mammutverfahren, sondern auch um die Ergebnisse und ihre mediale Wahrnehmung.Die Ausstellung macht deutlich, mit den Mitteln des Rechtsstaats war vielen Tätern nicht beizukommen. Das veranschaulichen bereits einige Zahlen. Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz arbeiteten rund 8000 Angehörige der SS. Vor Gericht standen in diesem Verfahren aber lediglich 22 Personen. Sechs von ihnen erhielten lebenslängliche, weitere zehn Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und 14 Jahren und ein Angeklagter eine zehnjährige Jugendstrafe. Dazu gab es drei Freiheitsstrafen und zwei Personen wurden für verhandlungsunfähig erklärt.

Für Majdanek sahen die Zahlen noch unbefriedigender aus. 1300 Menschen hielten dort die Todesmaschinerie am Laufen. Gegen 16 wurde der Prozess eröffnet. Nur eine Person bekam lebenslänglich, sieben Haftstrafen von drei bis zwölf Jahren. Ihnen stehen fünf Freisprüche und zwei eingestellte Verfahren gegenüber. Ein Angeklagter starb vor der Urteilsverkündung.

Vor allem der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968) verband mit dem Auschwitz-Prozess noch die Hoffnung, die Justiz könne zur Aufarbeitung der Nazivergangenheit beitragen. Dieser Wunsch hat sich allerdings eher indirekt erfüllt. Es waren weniger die Entscheidungen im Gerichtssaal, als vielmehr die Diskussionen darüber, die dafür sorgten, dass die NS-Zeit fast 20 Jahre nach Kriegsende zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema wurde. Vor allem für die inzwischen herangewachsene Nachkriegsgeneration.

Teil der Ausstellung ist auch die Gemäldeserie "Majdanek Prozessportraits" der Malerin Minka Hauschild. Inspiriert dazu wurde sie durch den 1984 gezeigten Dokumentarfilm über das Verfahren von Eberhard Fechner. Vor dem Fernseher sitzend fotografierte sie die Prozessbeteiligten ab und machte aus diesen Bildvorlagen 44 großformatige Ölportraits. 1996 war die Serie abgeschlossen, die jetzt zum ersten Mal vollständig im Jüdischen Museum gezeigt wird. Texte, auch multimedial abrufbar, geben Informationen über die einzelnen Personen. Täter und Opfer, deren Bilder nebeneinander an einer großen Wand.

Geöffnet ist im Jüdischen Museum täglich von 10 bis 20, Montag bis 22 Uhr. Der Eintritt kostet sieben, ermäßigt 3,50 Euro.

Thomas Frey / tf
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