Personalkürzungen gefährden kleinere Büchereistandorte

Stadträtin Sabine Weißler beklagt die Stellenkürzungen in ihrem Fachbereich Weiterbildung und Kultur. (Foto: Liptau)

Mitte. Bis 2016 muss der Bezirk 223 Vollzeitstellen abbauen, 16 davon im Fachbereich Weiterbildung und Kultur. Was erst einmal gar nicht so dramatisch klingt, wird immense Auswirkungen haben. Für die Kurt-Tucholsky-Bibliothek und die Stadtteilbibliothek Tiergarten-Süd sucht die zuständige Stadträtin bereits nach "grundsätzlich anderen Konzepten".

In den vergangenen Wochen waren die Öffnungszeiten der beiden Mini-Bibliotheken in Moabit und Tiergarten-Süd bereits heruntergefahren worden. Kürzlich sind sie wieder von einem auf immerhin zwei Öffnungstage pro Woche erweitert wurden. Die für Weiterbildung und Kultur zuständige Stadträtin Sabine Weißler (B’90/Grüne) hatte gehofft, damit einen ersten Schritt in Richtung alter Normalität gehen zu können. Weit gefehlt. "Wie soll ich da Normalität herstellen, wenn ich keine Mitarbeiter mehr hinschicken kann?"Die 223 Vollzeitstellen, die das Bezirksamt Mitte nach Vorgabe des Senats bis 2016 abbauen muss, sind "linear" über alle Fachbereiche verteilt worden. Jeder Bereich muss demnach rund zehn Prozent seiner Mitarbeiter einsparen. "Damit haben es die Bezirkspolitiker verpasst, Schwerpunkte zu setzen", beklagt der Leiter des Amts für Weiterbildung und Kultur, Jörg Arndt. Seine Stadträtin mag das nicht kommentieren, unterstreicht allerdings die Bedeutung ihres Fachbereichs für den Bezirk. "Die eigentliche Bildungsarbeit wird von uns gemacht, das ist ein extrem sensibler Bereich." Sie sagt es nicht, macht aber doch deutlich: Mit der Entscheidung des für Personal und Finanzen zuständigen Bürgermeisters Christian Hanke (SPD), die Last gleichmäßig zu verteilen, ist sie unzufrieden.

Sabine Weißler kann schon jetzt klar benennen, was aus dieser Politik folgen wird. Die beiden kleinen Büchereien können "nicht mehr unter dem Dach der Bibliotheken" weitergeführt werden. Weißler will zwar versuchen, die sozialen Angebote an den beiden Standorten durch andere Anbieter weiter zu gewährleisten. "Das wird dann aber keine klassische Bibliothek mehr sein."

Ähnlich die Situation bei der Volkshochschule. Rund die Hälfte der angebotenen Kurse beschäftigen sich dort derzeit mit Sprachintegration, besonders wichtig im bunten und von Migration geprägten Hauptstadtbezirk Mitte. Ein großer Teil der Angebote wird im Moment über Drittmittel finanziert, die von den Mitarbeitern beispielsweise als Fördergelder eingeworben werden. "Das werden wir in Zukunft nicht mehr leisten können", sagt die Stadträtin. Und wer kein Geld beantragt, kann natürlich auch keines ausgeben. Auch dort werden die Angebote also zurückgehen.

Das Konzept zur Einsparung des Personals wird noch vor der Sommerpause dem Abgeordnetenhaus vorgelegt. Wenn es dort abgesegnet wird, werden Weiterbildung und Kultur, so die Stadträtin, "in ein ganz tiefes Tal" gehen.


Ralf Liptau / flip
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