Richtfest für die Lindenkuppel der Staatsbibliothek

Mitte. Das größte wissenschaftliche Archiv in den deutschsprachigen Raum kommt der vollständigen Sanierung einen Schritt näher. Mit der 35 Meter hohen Kuppel, die sich nun im Wiederaufbau befindet, verschwindet 2016 eine der letzten Lücken in der Dächerlandschaft Berlins.

Erst der Aufstieg, dann der Festakt. 13 Stockwerke galt es für alle zu erklimmen, die zum entscheidenden Moment der Sanierungsarbeiten geladen waren. Dem Richtfest zur Herstellung der Lindenkuppel, dem lange vermissten Gipfel der Staatsbibliothek Unter den Linden. Nach einer Kletterpartie durch halbfertige Flure auf dem Dach angelangt, sah man sich überspannt von einer Konstruktion aus Holz und Metall, dem auszubauenden Gerippe.Hier würdigte die Präsidentin des Bundesamtes für Bauwesen, Rita Ruoff-Breuer, noch einmal den Abschluss der Arbeiten im nördlichen Gebäudetrakt. Teil zwei der Sanierung beginnt nun mit dem Richtfest der Lindenkuppel und den statisch anspruchsvollen Baumaßnahmen im Südtrakt. Ein Tonnengewölbe über dem Treppenhaus gilt es wiederzuerrichten. Und darüber vier Archivgeschosse. Das bedürfe echter Ingenieurskunst, sagte Ruoff-Breuer.

Welcher Aufwand betrieben wird, legte sie anhand der alten Weinstauden im Hof dar. "Die Stöcke stammen noch aus den 20er Jahren. Sie wurden von der Fassade gelöst und am Baugerüst festgemacht. Am Ende werden sie auf das erneuerte Mauerwerk zurückversetzt."

Und die Kuppel? Die wird kein geselliger Ort werden, sondern beherbergt 28 Meter über der Straße Archivräume unter einer Bedachung aus Schiefer. 406 Millionen Euro kosten alle Baumaßnahmen insgesamt und werden vollständig vom Bund übernommen.

"Die Kuppel ist nach ihrer Zerstörung 1941 aus den Gedächtnissen verschwunden. Aber auf historischen Fotos sieht man, dass sie etwas ist, was den Charakter des Gebäudes ausmacht", erklärte dann der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Berlin gewinne ein Glied im "Kuppeltanz" zurück. Der vollzieht sich künftig vom Dom über das Stadtschloss und die Staatsbibliothek zum Reichstag. "Wir setzen auf eine Mischung aus Bewahren und modernem Hinzufügen, die sich sehen lassen kann", versprach Parzinger.

Bevor Polier Uwe Scheibal den Richtspruch sprach, ergriff noch Bibliotheks-Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf das Wort, als sie sagte: "Hier gelangt die Welt unter ein Dach. Es umspannt Kulturkreise, Kontinente und Sprachen." Zugleich biete die Kuppel etwas, das jedes andere Dach auch leiste: Bewahrung und Schutz.


Thomas Schubert / tsc
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