Seniorpartner in School vermitteln bei Konflikten

Mahira (16) und Shanice (16) bei der Mediation mit Seniorpartner Heidi Hilkenbäumer und Hans Wigger. (Foto: C. Marconi)

Berlin. Die 13-jährige Nina ist verzweifelt. Sie würde so gerne zur Clique um Aileen gehören (beide Namen von der Redaktion geändert). Doch die Mädchen ignorieren sie. Weil sie die Ablehnung spürt, reagiert Nina aggressiv. Ein Wort ergibt das andere, der Streit eskaliert. Das ist ein Fall für die Seniorpartner in School.

"Wir sind dafür da, Auseinandersetzungen zu schlichten", sagt Heidi Hilkenbäumer, die zusammen mit fünf weiteren ehrenamtlichen Senioren in der Friedensburg Oberschule in Charlottenburg tätig ist. Einmal pro Woche hilft sie für ein paar Stunden im Team mit Hans Wigger Schülern, ihre Konflikte im Gespräch statt durch Gewalt zu lösen. "Was wir anbieten, ist vor allem Zeit", erklärt Hilkenbäumer. Denn die Seniorpartner in School (SiS) sind im Ruhestand und haben keinen Termindruck, wie das bei Lehrern oft der Fall sei. Meist werden die Schüler von ihren Lehrern zu den Mediatoren geschickt, manchmal kommen sie auch freiwillig. "Wichtig ist, dass man zuhört und auch einiges aushalten kann. Die Sprache der Jugendlichen ist beispielsweise sehr gewöhnungsbedürftig", sagt Hans Wigger. Der 66-Jährige, der als Diplomingenieur bei Siemens arbeitete, hatte für seinen Ruhestand eine sinnvolle Aufgabe gesucht.

Und auch die 69-jährige Heidi Hilkenbäumer, die im Softwarebereich tätig war, hat in SiS eine nützliche Beschäftigung für die Zeit nach ihrem Arbeitsleben gefunden. Die beiden gehören zu rund 250 Seniorpartnern, die an etwa 60 Schulen in Berlin tätig sind. In der Hauptstadt wurde der Verein vor elf Jahren gegründet. Mittlerweile wirken rund 800 Mitglieder in zehn weiteren Bundesländern.

Wer sich für eine Tätigkeit als ehrenamtlicher Seniorpartner entscheidet, sollte offen, tolerant und vorurteilsfrei sein. Man darf nicht bewerten oder verurteilen. Den Schülern soll geholfen werden, selbst Lösungen für ihre Probleme zu finden. Das passiert meist durch Fragen. Dabei sollen alle Konfliktparteien zu Wort kommen.

Wie das geht, lernen Interessenten in einer Ausbildung als Schulmediator. Die dauert 80 Stunden, verteilt auf zehn Tage, und beinhaltet auch ein Schulpraktikum. Im Anschluss daran muss man sich für eineinhalb Jahre im Verein verpflichten, denn es soll eine langfristige Betreuung der Schüler gewährleistet werden. "Die Kinder brauchen Zeit, um sich zu öffnen. Meist benötigen sie mehrere Sitzungen, bis ein Problem ausgestanden ist", wissen die beiden.

Der Streit zwischen Nina und der Mädchenclique konnte übrigens geschlichtet werden. Durch das Gespräch mit den Seniorpartnern konnten sie sich in die Lage der jeweils anderen versetzen. Künftig wollen sie die gegenseitigen Attacken unterlassen.

Mehr Informationen gibt es unter 62 72 80 48 und auf www.seniorpartner-berlin.de.

Carla Marconi / C. Marconi
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