Sonderschau "Schätze des Glaubens" im Bode Museum

Das Büstenreliquiar des heiligen Blasius ist Teil des Welfenschatzes. (Foto: KEN)

Mitte. Aus dem Dunkel des Raumes leuchtet er auf und blickt den Besucher geradezu gütig an: der heilige Blasius, Hauptpatron des Braunschweiger Doms, der Kirche des ehemaligen Burgstiftes.

Die erlesene Büste aus vergoldetem Silberblech, Grubenschmelz, Filigran, Edelsteinen und Perlen über einem Eichenholzkern ist Teil der Schau "Schätze des Glaubens" im Bodemuseum. Umfangreiche Bauarbeiten im Hildesheimer Dom-Museum und im Berliner Kunstgewerbemuseum führten 2010 die wertvollsten und bedeutendsten Goldschmiedearbeiten des Mittelalters für zwei Jahre in einer Sonderausstellung auf der Museumsinsel zusammen. Die Kostbarkeiten aus Niedersachsen sind längst wieder zuhause. Die Sanierung des Kunstgewerbemuseums am Kulturforum dauert an, und so haben die Staatlichen Museen zu Berlin "Schätze des Glaubens" in eine einstweilige Dauerstellung im Bode Museum umgewandelt.

Im Mittelpunkt der Schau stehen die Hauptwerke aus dem legendären "Welfenschatz" des Fürstenhauses Hannover, dem einstigen Kirchenschatz des Braunschweiger Domes, wie die genannte, als Reliquienbehältnis gearbeitete Büste des Blasius. Dazu gesellen sich der Schatz des ehemaligen Stiftes St. Dionysius zu Enger Herford und die nach Berlin gelangten Teile des Basler Münsterschatzes. Ergänzt werden sie durch bedeutende Objekte aus der Berliner Staatsbibliothek und der Skulpturensammlung des gastgebenden Bode Museums.

Zu sehen sind preziöse Reliquiare, liturgisches Kirchengerät wie Kelche und Hostienteller, Altarkreuze und -leuchter, Bücher und Textilien. Sie erlauben einen ungeahnten Blick auf die Zeugnisse tiefen Glaubens und höchster Kunstfertigkeit.

Der Welfenschatz ist der größte deutsche Kirchenschatz im Besitz einer öffentlichen Kunstsammlung. Wie Teile von ihm in den Besitz der staatlichen Berliner Museen gelangten, ist derzeit ein Fall für die Limbach-Kommission, die strittige NS-Raubkunstfälle schlichtet. Die Erben dreier jüdischer Kunsthändler aus Frankfurt am Main fordern die Schätze aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum zurück. 1929 hatten die Kunsthändler den Welfenschatz in Hannover erworben und bis zur nationalsozialistischen Machtübertragung vierzig der 82 Stücke an Sammler und Museen verkauft, dann zwei Jahre später die noch verbliebenen 42 Objekte an den preußischen Staat, vertreten durch die Dresdner Bank, veräußert. Das sei nicht freiwillig geschehen, sagen die Erben. Wer weiß also, wie lange der Welfenschatz noch in Berlin verbleibt. Schon deshalb sollte man sich die Kostbarkeiten ansehen.

Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr haben freien Eintritt.

Karen Noetzel / KEN
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