Tierärzte schließen Umsiedlung der Stadtbärin nicht aus

Jetzt diskutieren die Bezirksverordneten, ob Schnute in einen Wildpark umgesiedelt werden soll. (Foto: Berliner Bärenfreunde)

Mitte. Die 32-jährige Schnute könnte doch ihren Lebensabend in einem Bärenwald verbringen.

Nach einer erneuten Untersuchung des Tieres durch vier Veterinärmediziner am 26. September scheint eine Auswilderung in einen Wildpark möglich. Das Gutachten hat ergeben, "dass es keine zwingenden Gründe gibt, die eine Umsiedlung absolut ausschließen", sagte der für den Bärenzwinger im Köllnischen Park zuständige Stadtrat Carsten Spallek (CDU). "Schnute zeigt keine Auffälligkeiten und ist vom Augenschein her in einem altersgemäßen und normalen Zustand", so Spallek. Wie berichtet hatten die selben Tiermediziner in ihrem Gutachten vom Juli einvernehmlich von einem Umzug abgeraten, weil die beiden Bären dazu narkotisiert werden müssten. Die Bären an eine Transportbox zu gewöhnen, hätte bei zwei Tieren nicht geklappt. Nach dem Tod von Maxi Ende August, der Tochter von Schnute, stellt sich die Situation jedoch neu dar. Die 27-jährige Bärin war an massiven inneren Blutungen gestorben.Laut Spallek habe Mama Schnute den Verlust augenscheinlich gut verkraftet. Es ist nun möglich, die alte Dame durch Training an eine Transportbox zu gewöhnen und ohne Narkose zu transportieren. Ein Transport sei dennoch ein Risiko. Niemand kann derzeit einschätzen, wie sehr dieser ungewohnte Stress dem Tier schaden würde. Dazu müsste Schnute unter Vollnarkose auf Herzen und Nieren auf ihren Gesundheitszustand untersucht werden. Wie es nun weitergeht, darüber diskutieren die Bezirksverordneten auf ihrer Sitzung am 24. Oktober. "Danach entscheiden wir", so Spallek.

Tierschützer fordern seit Jahren, die Bärendamen in einen Wildpark umzusiedeln. Die internationale Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" wollte die Bären in ihren Bärenwald Müritz holen. "Das Angebot besteht weiter", sagte die Deutschland-Chefin von "Vier Pfoten", Andrea Berg. Der Bezirk will eigentlich auch den Bärenzwinger schließen, weil der Betrieb jährlich rund 90 000 Euro kostet. Eine Option sei laut Spallek aber weiterhin, die Bedingungen für Schnute im Bärenzwinger zu verbessern. So könnten die Gräben zugeschüttet werden, um mehr Platz zu schaffen und neue Spielgeräte aufgebaut werden. "Das ist auch tierartgerecht", so der Stadtrat. Das 2012 gegründete Berliner Bärenbündnis hat nach Bekanntwerden des neuen Tierarzt-Gutachtens erneut einen sofortigen Umzug von Schnute in einen Bärenpark gefordert. Sprecher Stefan Klippstein kündigte massive Proteste an, wenn "die Verantwortlichen jetzt nicht endlich zum Wohl des Tieres handeln".


Dirk Jericho / DJ
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