Zieht die C/O Galerie ins Amerikahaus ? Gespräche laufen

Machen erst mal bis März weiter: die Fotogaleristen von C/O Berlin im Alten Postfuhramt. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Am 1. Januar ist Schluss für die renommierte private Fotogalerie C/O Berlin - zumindest im Alten Postfuhramt (PFA) in der Oranienburger Straße, wo der Mietvertrag endet.

Doch dass die Fotoleute wie von den Anwälten des neuen Eigentümers gefordert die Räume im neuen Jahr besenrein übergeben, ist nicht zu erwarten. "Wir planen unsere Ausstellung zumindest erst mal bis März", sagt C/O-Sprecher Mirko Nowak. Er weiß, dass der Chef der Neuköllner Medizintechnikfirma Biotronik, der das Postfuhramt gekauft hat, nicht gleich die Räumpanzer schicken kann. Mietstreitigkeiten können sich lange hinziehen. C/O Berlin sucht indes weiter nach einem "Rettungsboot", wie Nowak sagt. Fakt ist, dass C/O Berlin - International Forum For Visual Dialogues - wie sich die weltbekannte Galerie nennt, raus muss. Seit Jahren wird ein Ersatzstandort gesucht. Die favorisierten Pläne zum Umzug in die jüdische Mädchenschule in der Auguststraße oder in die Atelierhäuser im Monbijoupark hatten sich zerschlagen. Für die Nutzung der Atelierhäuser, die der Bezirk zwecks Parkerweiterung abreißen wollte, wären umfangreiche Änderungen des Planungsrechts notwendig. Das braucht Zeit, die C/O nicht hat.

Jetzt wurde das Gerücht laut, dass C/O ins Amerikahaus ziehen wird. Weil alle Beteiligten fast gleichlautend antworten, könnte was dran sein. "Die Verhandlungen laufen noch", sagt Anette Mischler vom Liegenschaftsfonds (Lifo), der die Immobilie verwerten soll. "Wir sind in Gesprächen und sagen erst was, wenn es eine Entscheidung gibt", sagt Günter Kolodziej, seit August Sprecher von Kulturstaatssekretär André Schmitz. "Das ist eine Option, das Haus ist interessant", sagt Mirko Nowak. Er will sich nach all den Enttäuschungen erst äußern, "wenn es einen Vertrag gibt".

Der Lifo sollte eigentlich das Amerikahaus in der Hardenbergstraße 22 am Bahnhof Zoo meistbietend verkaufen; an einen Investor, der es kulturwirtschaftlich nutzen will. Doch der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf war vor drei Jahren gegen einen Verkauf des denkmalgeschützten Hauses. In das Traditionsgebäude zog das Regionalmanagement, das im Auftrag des Senats die Aufwertung der City West koordiniert. Die Regionalmanager müssen Ende des Jahres raus. Ihr Mietvertrag endet, wie Lifo-Sprecherin Anette Mischler bestätigt. Das Amerikahaus soll ein Kultur- und Bildungsstandort werden; die C/O Galerie würde bestens ins Konzept passen. Die Lage "ist speziell, aber interessant", sagt Nowak. Die Fotoleute wollen eigentlich lieber in Mitte bleiben. Auch eine Nutzung der Tacheles-Ruine sei immer noch eine Option. Und wenn demnächst gar nichts klappt, würde sich das Flaggschiff der internationalen Galerie bis zu einer endgültigen Standortlösung mit "Pop-up-Ausstellungen" über Wasser halten - temporäre Ausstellungen in Kirchen oder Läden.


Dirk Jericho / DJ
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