Auf dem Dach der Diakonie leben 50 000 Honigbienen

Stefanie Kadelbach arbeitet als Referentin, Christian Schehle als Umweltbeauftragter bei der Diakonie. Oft zieht es sie zu den Bienen aufs Dach. (Foto: susch)

Mitte. Hohe Bürohäuser, enge Straßen, viel Verkehr - ein denkbar ungünstiges Umfeld für Imkerei? Im Gegenteil. Auf dem Dach des sechsstöckigen Neubaus an der Ecke Invaliden- und Caroline-Michaelis-Straße leben rund 50 000 Bienen in zwei Völkern.

Hier ist der gemeinsame Sitz von "Brot für die Welt" und der Diakonie Deutschland, und hier macht man mit beim Projekt "Berlin summt". Eine Gruppe von Mitarbeitern kümmert sich seit dem vergangenen Jahr um die Tierchen. Neben den Dach-Bienen gibt es noch zwei andere Völker, die für Imkerkurse auf dem Dom-Friedhof an der Liesenstraße stehen. Vor einigen Wochen wurde zum zweiten Mal Honig geschleudert. Die süße Ausbeute: 70 Kilo, das macht 280 Gläser Berliner Stadthonig, eine Mischung aus Linde, Kastanie, Robinie und anderen Pflanzen, die im Radius von drei Kilometern wachsen. Dankbare Abnehmer sind die Kollegen und befreundete Organisationen.

Zwei Mitstreiter der Bienen-Arbeitsgemeinschaft sind Stefanie Kadelbach und Christian Schehle. "Ich war von Anfang an fasziniert von den Bienen. Zehntausende von einzelnen Organismen und gleichzeitig ein perfekt organisiertes Volk", so Stefanie Kadelbach. Ihr Kollege Christian hat sie mit seiner Begeisterung angesteckt, und der ist erblich vorbelastet. "In meiner Familie gab es viele Berufsimker, mein Vater, mein Onkel und andere. Ich habe immer einen Telefonjoker, wenn es eine Frage gibt", sagt er.

Beiden geht es vorrangig nicht um den Honig, sondern darum, Bienen zu schützen, die wiederum viele Pflanzen bestäuben und die Stadt blühen lassen. Hilfe tut not, denn die Imkerei hat in den vergangenen Jahren einen Niedergang erlebt. Nachwuchs fehlt, der Kunde greift oft zu Billigprodukten aus dem Supermarktregal, und die asiatische Varrao-Milbe ist ein gefährlicher Schädling. "Wir bekämpfen sie mit ätherischen Ölen oder verdampfter Ameisensäure", sagt Schehle. Ohne menschliche Unterstützung hätten Honigbienen inzwischen nur noch geringe Überlebenschancen.

Auf dem Land haben es die nützlichen Insekten noch schwerer als in Berlin. Nicht nur die Pestzide machen ihnen zu schaffen, sondern auch die Monokultur. Wenn ein Bienenvolk neben einem riesigen Rapsfeld steht, dann kann es nur während der Rapsblüte Nahrung sammeln. "Falls es danach nicht umgesetzt wird, verhungert es", erklärt Stefanie Kadelbach. Oft gebe es ja keinen Ackerrandbewuchs mehr. "Schlehen, Brombeerbüsche oder Blumen würden schon helfen." In Berlin dagegen habe man eine vielfältige Natur - unterschiedliche Straßenbäume, Vegetation in Parks und Friedhöfen. Und der geerntete Honig sei ganz hervorragend.

Die UN-prämierte Initiative "Berlin summt" ist erfolgreich. Mittlerweile gibt es Bienenstöcke auf vielen Hauptstadtdächern. Wer mitmachen will, wird von erfahrenen Imkern unterstützt.


Susanne Schilp / susch
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