Noch kein Anschluss unter dieser Nummer: Silbernetz-Hilfstelefon für Senioren soll Ende des Jahres starten

Die ersten ehrenamtlichen Silbernetz-Freunde stehen bereit. Ende des Jahres soll das Projekt starten. (Foto: Paul Schärf)
 
Elke Schilling ist die Initiatorin von Silbernetz. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Noch bis 9. Oktober soll jeder für das Pilotprojekt Silbernetz beim PSD ZukunftsPreis 2017 der genossenschaftlichen PSD Bank Berlin-Brandenburg abstimmen. Die ersten zehn Sozial- und Umweltprojekte, die die meisten Stimmen beim Onlinevoting erhalten, können sich über Preisgelder zwischen 1500 und 8000 Euro freuen.

Elke Schilling trommelt auf allen Kanälen, damit möglichst viele für ihr 24-Stunden-Hilfetelefon www.Silbernetz.org für vereinsamte Senioren abstimmen. Denn jeder Euro Fördergeld bringt das ambitionierte Hilfsprojekt nach vorn. Die Vorsitzende der Seniorenvertretung Mitte und Silbernetz-Initiatorin hofft, dass ab Ende des Jahres endlich die kostenfreie und anonyme Silbernetz-Hotline an den Start geht.

Seit mehr als drei Jahren arbeitet Schilling mit Mitstreitern an dem wichtigen Projekt nach dem Vorbild der britischen Silver Line Helpline. Eigentlich sollte Silbernetz schon vor einem Jahr starten. „Doch es ist unglaublich schwer im Förderdschungel geeignete und vor allem nachhaltige Finanzierungen für soziale Projekte zu finden“, sagt Schilling. Mit Spenden und Fördergeldern hangelt sich das Projekt vom Humanistischen Verband Deutschlands Berlin-Brandenburg (HVD) bisher von Etappe zu Etappe.

Seit Dezember 2016 wird Silbernetz von der Lottostiftung unterstützt. 150 000 Euro gibt es bis Ende des Jahres. Mit dem Geld konnte das Silbernetz-Projekt ein Büro im Sprengelhaus an der Sprengelstraße 15 aufbauen, Teilzeitkräfte bezahlen und Öffentlichkeitsarbeit finanzieren. Die Lotto-Förderung wurde soeben bis zum ersten Quartal 2018 verlängert. Wie Elke Schilling sagt, wollen zwei Partner zukünftig das Silbernetz-Projekt sponsern. Namen will sie nicht nennen, bevor alles in Sack und Tüten ist. Eine Firma, die sich als Callcenter-Betreiber mit Hotlines auskennt, habe aber schon zugesagt, die technische Abwicklung der Hilfetelefonnummer und die Mitarbeiter zu bezahlen – allerdings auch nur für vorerst zwei Jahre.

Die Begriffe Callcenter und Hotline will Schilling nicht verwenden, um niemanden abzuschrecken. Klingt das doch zu sehr nach Telefonterror und nervenden Verkäufern. Und Silbernetz ist genau das nicht. Das Hilfetelefon ist eine kostenfreie Soforthilfe-Rufnummer für ältere, vereinsamte oder isolierte Menschen. Wer Hilfe braucht oder einfach nur mal reden will, kann zukünftig die Silbernetz-Nummer wählen. Die professionell geschulten Mitarbeiter – ein Team von etwa zehn Leuten – werden rund um die Uhr für ein persönliches Gespräch erreichbar sein.

Immer mehr Senioren vereinsamen zu Hause und verlieren den Kontakt zur Außenwelt. Zirka 300 000 Ältere sind in Berlin allein; deutschlandweit sollen rund acht Millionen Senioren niemanden mehr haben und in der Isolationsfalle stecken. In Berlin sterben Zurückgezogene, ohne dass es jemand merkt. Pro Jahr werden etwa 300 bis 400 Menschen tot in ihrer Wohnung aufgefunden.

Die Idee des Hilfetelefons im dreistufigen Konzept ist, dass nach dem Erstkontakt mit den Angestellten der Hotline die Betroffenen an einen sogenannten Silbernetz-Freund vermittelt werden, wenn sie dies wünschen. Das sind geschulte Ehrenamtliche, die einmal in der Woche einen älteren, vereinsamten Menschen anrufen und ihm eine Stunde Gesprächszeit schenken. Die Silbernetz-Freunde sollen auch über die vielen Hilfsprojekte wie Besuchsdienste oder spezielle Angebote für Senioren informieren und vermitteln. „Es gibt so vieles, von dem vereinsamte Menschen nicht wissen. Wir sind die Brücke zu den Anbietern von Altenhilfe“, sagt Elke Schilling. Wenn das Silbernetz-Projekt in Berlin und Brandenburg richtig läuft, soll es auf ganz Deutschland ausgeweitet werden.

In den kommenden Wochen beginnen die ersten 25 ehrenamtlichen Silbernetz-Freunde ihre Ausbildung. Gesprächstrainer, Therapeuten und Experten aus dem sozialen Bereich vermitteln optimales Telefonverhalten. Beim HVB in der Wallstraße 61-65 sollen in den kommenden zwei Jahren etwa 300 Ehrenamtliche fit gemacht werden. Schilling ist sicher, dass der Bedarf für das Senioren-Sorgentelefon schnell steigen wird. Bei der britischen Silver Line Helpline, finanziert aus Charity-Geldern, arbeiten mittlerweile landesweit 180 Angestellte am 24-Stunden-Hilfstelefon. Es gibt über 1000 Ehrenamtliche, die sich um die Alten kümmern. DJ

Abstimmen für Silbernetz beim PSD Zukunftspreis 2017 im Internet unter zukunftspreis.psd-bb.de/profile/hvd-berlin-brandenburg-e-v. Onlinespenden auf der Website von Silbernetz unter www.silbernetz.org/jetzt-spenden.html.
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Elke Schilling aus Mitte | 27.09.2017 | 14:55  
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