Sportler entdecken Monbijou-Park als Turnhalle ohne Dach

Mitte. Schwitzen im Fitnessstudio? Von gestern. Kräftigung mit Hanteln? Langweilig. "Calisthenics" nennt sich eine Freiluft-Sportart, bei der Übungen wie Liegestütze und Klimmzüge neue Turnfiguren ergeben. Das sieht man bei den Spielplatz-Sportlern.

So langsam wissen die Kinder bescheid. Oft genug traf ihr Grinsen auf die Grimassen jener jungen Männer, mit denen sie die Gerüste teilen. Oberkörper frei, Hip Hop-Musik an und ran an die Stangen. Stemmen, drücken, schwingen. Mit dem Körper als Gewicht. So läuft es jedes Wochenende, hier im Monbijou-Park in der Sandkiste, einen Steinwurf vom Bode-Museum entfernt. Das Dutzend Jungs, welches Teamleader Mike Littig (23) hier zusammentrommelt, nennt sich "Barserker." Ihr Sport: "Calisthenics" - eine Mischung aus Fitness und Turnen, auf amerikanischen Sportplätzen erprobt. In Berlin bisher nur wenigen bekannt. Das Ziel: Ein Ganzkörpertraining ohne Hanteln und Maschinen. Hart, effektiv und kostenlos.

"Vor allem ist das Gemeinschaftsgefühl besser als in Fitnessstudios", nennt Mike den wichtigsten Vorzug. "Außerdem ist man an der frischen Luft und erhält eine natürlichere Beanspruchung der Muskulatur."

Viele "Barserker" trimmten sich zuvor im Studio, hatten aber die starren Bewegungsabläufe satt. Aus Basisübungen wie Liegestütz, Klimmzug und Handstand entwickeln sie akrobatische Bewegungen. Etwa die "Human Flag" - eine horizontale Hampelmann-Haltung am Gerüst. Oder den "Muscle up" - ein schwungvoller Klimmzug mit anschließendem Barrenstütz.

Trainiert wird an fünf Tage die Woche an wechselnden Orten, je eineinhalb Stunden. "Es ginge vielleicht noch mehr. Aber man braucht Pausen, damit man sich nicht verletzt", erzählt Mike. Dafür wird bei jedem Training die Leistung hochgeschraubt. Wer will schon stagnieren?

Kürzer treten muss nun Dennis Vitaliew (32) wegen eines Rippenbruchs. "Ich habe einen Fehler gemacht und bin mit der Brust auf den Barren geschlagen. Selbst Schuld." Sofern man sich aufwärme und auf saubere Bewegungen achte, sei der Sport an sich harmlos. Jedenfalls ist er so spektakulär, dass Passanten fotografieren und Fragen stellen: "Ist das Yoga?"

Wie man die Schinderei auch nennen mag, Anatoliy Sidak (21) fühlt sich an seine Jugend in der Ukraine erinnert. "Bei uns kennt diese Sportart jeder. Da turnt jedes Kind. In Deutschland kannte ich keinen geeigneten Platz. Bis jetzt."

Wer sich den "Barserkern" anschließen möchte, findet sie sonnabends und sonntags ab 14 Uhr auf dem Spielplatz im Monbijou-Park.

Thomas Schubert / tsc
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