Sportstadträtin will Sporthalle abreißen: Tennisclub Mitte (TCM) fürchtet um seine Existenz

Die moderne Dreifelder-Tennishalle soll weg, weil der Bezirk hier einen Grünzug plant. Die TCM-Vorsitzenden Ina Streubel und Fred Bruß fürchten um ihre Existenz. (Foto: Dirk Jericho)
 
Die TCM-Vorsitzenden Ina Streubel und Fred Bruß sammeln Unterschriften gegen den Abriss ihrer Tennishalle. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Tennisclub Berlin Mitte |

Mitte. Beim sogenannten Melchiorblock-Konzept befürwortet Sportstadträtin Sabine Smentek (SPD) die Planungsvariante mit Abriss einer modernen Tennishalle. Der Sportclub wehrt sich dagegen.



Erst gab es Ärger mit einem Wohnhaus, das direkt neben die Tennishalle gebaut wurde und zu Rissen im Gemäuer geführt hatte.
Jetzt kämpft der Tennisclub Mitte (TCM) sogar gegen einen möglichen Abriss seiner 2001 für 1,6 Millionen Euro mit Fördergeldern gebauten Halle. Obwohl die Betroffenenvertretung Nördliche Luisenstadt, der Landesportbund und etliche weitere Verbände dagegen protestieren, favorisiert Sport- und Schulstadträtin Sabine Smentek (SPD) die Abrissvariante. Laut Plan soll die bezirkliche Fläche, auf der die Halle steht, für eine Durchwegung zwischen Köpenicker und Melchiorstraße genutzt werden. Für Fred Bruß ist die überhaupt nicht notwendig, weil es genügend Verbindungen zwischen den Blöcken gibt: „Es gibt keinen Grund für den Abriss unserer Halle“, so der TCM-Chef. Zumal die geplante Grünverbindung an einem Privathaus endet und der Bezirk ein Wegerecht zur Köpenicker Straße bräuchte.

Tennisplatz auf dem Dach?

In der vom Bezirk beauftragten Machbarkeitsstudie des Planungsbüros Kohlbrenner gibt es jedoch auch eine Variante, die vom Erhalt der Tennishalle und der Tennisplätze ausgeht und auf die Durchwegung verzichtet. In dieser Variante 3 des Infrastrukturkonzeptes schaffen die Architekten zusätzlichen Platz für Pausen und Sportangebote, in dem sie das Dach der Plattenbauschule nutzen.

Smentek findet aber die Variante 2 mit Abriss und Verlegung der Tennisplätze auf das Dach der neuen Halle besser, weil sie „größere Freiflächen“ ermöglicht. Sie wäre sogar bereit, Fördergelder, die es für den Bau von Mittes einziger Tennishalle gab, zurückzuzahlen. „Es macht keinen Sinn, eine bestehende Halle für viel Geld abzureißen und eine neue teure zu bauen“, sagt BVV-Bauausschussvorsitzender Frank Bertermann (Grüne), der seit vielen Jahren in dem Tennisclub trainiert.

Laut dem von Smentek favorisierten Melchiorblock-Konzept soll der Tennisclub zukünftig in einer neuen Sporthalle, die an der Adalbertstraße neben der seit Jahren geschlossenen Schule gebaut werden soll, das Obergeschoss nutzen. Das Schulamt will den Schulstandort Adalbertstraße aktivieren und durch Anbauten in seiner Größe verdoppeln. Smentek plant hier eine vierzügige Grundschule inklusive Sporthalle. „Deshalb ist es eine Option, die Vereinsangebote in die neue Sporthalle zu integrieren“, so Smentek. Warum eine bestehende Tennishalle, die mit dem Schulneubau nichts zu tun hat, abgerissen werden soll, um die Angebote in einer neuen Halle zu integrieren, erschließt sich den Betroffenen nicht. „Die Sportstadträtin müsste alles dafür tun, Sportstätten zu erhalten und nicht abzureißen“, schimpft Ina Streubel, Vorsitzende des Tennisclubs Mitte.

Unterschriften gesammelt

"Völlig abwegig" hält das Führungsduo Streubel und Bruß Smenteks Idee, dem Tennisclub drei Spielfelder auf dem Dach der neuen Sporthalle zur Verfügung zu stellen. Denn die bisherigen vier Tennisplätze sollen weg, weil der Bezirk die Flächen als Schulhof braucht. „Es gibt keine Tennisplätze auf Dächern in Deutschland“, sagt Bruß. Auch Felix Rewicki, Geschäftsführer des Tennis-Verbandes Berlin-Brandenburg, bestätigt, dass Spielflächen auf dem Dach wegen der Lärmbelästigung für die benachbarten Wohnungen „erhebliches Konfliktpotenzial“ haben. Anwohnerklagen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit das Aus für die Dachspieler bedeuten. Der Tennisclub Mitte will sich mit allen Mitteln gegen Smenteks Abrisspläne zur Wehr setzen. Tausende Unterschriften hat Ina Streubel bereits gesammelt. „Eine Bürgerbeteiligung hat nie stattgefunden“, sagt Fred Bruß. Sportstadträtin Sabine Smentek sagt, dass alles noch „Vorüberlegungen“ sind und „noch einige Zeit ins Land gehen“ wird.

Am 2. September will sie erstmals mit dem Tennisverein über ihre Pläne sprechen. Bevor die Abrissbagger kommen können, muss erst ein Bezirksamtsbeschluss zur Reaktivierung der Grundschule her. Dann folgen Beschlüsse über die Lage der Schule und Zukunft der Tennisvereinshalle im Rahmen des Melchiorblock-Konzeptes. Auch ist die Finanzierung des Schulbaus noch nicht durch. DJ
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.