Eltern sollten Eingewöhnung begleiten

Tränen gehören beim Abschied dazu: Sich in den Kindergarten einzugewöhnen, kann bei Kindern etwas dauern. (Foto: Kai Remmers)

Der Bagger muss auf einmal geteilt werden. Jeden Mittag versammeln sich alle um den Tisch, es wird gemeinsam gegessen. Und Mama kommt erst danach wieder. Im Kindergarten ist für Kinder vieles auf einmal anders.

Um sich in der fremden Umgebung wohlzufühlen, brauchen sie deshalb etwas Zeit und eine gute Begleitung - am besten von den Eltern oder einer anderen vertrauten Person. "Eingewöhnung kostet viel Zeit, die sich aber absolut lohnt", sagt Prof. Fabienne Becker-Stoll vom bayrischen Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) in München. Eine abrupte Trennung der Kinder von den Eltern würde bei den Kleinen Stress auslösen, der über den Hormonspiegel nachweisbar ist. Die Lösung ist ein sanfter Einstieg, für den Becker-Stoll drei wesentliche Kriterien nennt: Er muss von den Eltern begleitet sein, sich an den Erzieherinnen orientieren und einen bewussten Abschied haben.

Zunächst einmal gehen Vater oder Mutter zusammen mit ihrem Sprössling in die Kindergartengruppe. Für das Kleinkind heißt es zunächst: umgucken. Je nach Gemüt wird das eine oder andere Spielzeug in die Hand genommen oder ein Kind angesteuert, um es näher zu beschnuppern.

Besonders wichtig für Mädchen und Jungen ist es, mit der zukünftigen Erzieherin vertraut zu werden. Sie spielt im Eingewöhnungsprozess eine Hauptrolle. "Das muss gut organisiert sein", sagt Claudia Frey. Sie ist Leiterin der städtischen Kindertagesstätte Rieselfeld in Freiburg. Freie Tage für Erzieher müssen auf das Ende der Eingewöhnung warten, die in der Regel vier bis sechs Wochen dauert.

Wenige Tage nach dem Start der Eingewöhnung dürfen Eltern sich das erste Mal abseilen. Denn ihr Kind soll nun allein in der Gruppe sein. Hinter dem Begriff abschiedsbewusst verbirgt sich, dass das Kind lernt: Mama oder Papa gehen, kommen aber auch wieder zurück. Oft ist das der Zeitpunkt der ersten dicken Tränen: Auf dem Arm der Erzieherin wird Mama kurz gewunken, dann ist sie raus und wartet unsichtbar in der Nähe. Lässt das Kind sich nicht trösten, gibt es ein schnelles Wiedersehen und am nächsten Tag geht erstmal das gemeinsame Erkunden weiter.

Kann der Erzieher das Kind jedoch trösten, ist das ein großer Erfolg. "Freut sich das Kind dann, wenn es nach einer halben Stunde wieder abgeholt wird, ist das noch besser", sagt Hans-Joachim Laewen. Der Soziologe arbeitet beim Institut für angewandte Sozialisationsforschung und frühe Kindheit (Infans). Festigt sich gleichzeitig die Bindung zur Erzieherin, dann sind die wesentlichen Hürden genommen.

Die meisten Kinder brauchen dafür zwei bis drei Wochen. Wenn es sehr lange dauert, liegt es vielleicht gar nicht an den Kindern, sondern daran, dass die Eltern sich zu viele Sorgen machen - und diese Unsicherheit überträgt sich wiederum auf den Nachwuchs. "Nach vier Wochen empfehlen wir ein Elterngespräch. Dann ist es manchmal nötig, den Eltern ihre Bedenken zu nehmen, bevor es klappt", erklärt Laewen.

Literatur: Beate Andres, Éva Hédervári-Heller, Hans-Joachim Laewen: "Die ersten Tage - Ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege", Cornelsen, 104 Seiten, 15,50 Euro, ISBN: 9783589247301.

dpa-Magazin / mag
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