Frühe Einschulung: Alter sagt nichts über Schulfähigkeit

Viele Eltern glauben fälschlicherweise, ihr Kind sei schon weit genug für die Schule. (Foto: AOK Mediendienst)

Der Sohn schreibt bereits seinen Namen, die Tochter rechnet begeistert: Viele Eltern sind versucht, ihr Kind schon vor dem sechsten Lebensjahr einzuschulen. Allerdings ist Vorsicht geboten. Denn nicht jedes Kind, das ein paar Buchstaben malt, ist tatsächlich für die Schule geeignet.

In der Regel müssen Kinder, die im Einschulungsjahr sechs werden, eingeschult werden. In den Bundesländern gibt es aber verschiedene Stichtage - Kinder, die danach Geburtstag haben, müssen nicht, können aber zur Schule gehen. Das Alter ist jedoch kein sicheres Merkmal, sagt Helga Ulbricht, Leiterin der Staatlichen Schulberatung München. Schließlich entwickelten sich Kinder unterschiedlich schnell. Nach dem Berliner Schulgesetz werden alle Kinder, die bis zum 31. Dezember eines Jahres fünf Jahre alt werden, im darauffolgenden Jahr eingeschult. Auf Antrag der Eltern können Kinder, die bis zum 31. März eines Jahres fünf Jahre alt werden, noch im gleichen Jahr eingeschult werden.

Hat ein Kind schon ein Buchstaben- und Zahlenverständnis, kann das ein Hinweis auf die Schulreife sein, erklärt Mechthild Dierschke vom Schulpsychologischen Beratungszentrum in Koblenz. "Erkennt es zum Beispiel, welche Worte sich reimen?" Wichtig für die Schule ist aber auch, ob das Kind Formen und Größen unterscheiden, mit Stift und Schere umgehen und sich über längere Zeit konzentrieren kann. Außerdem sollte das Kind neugierig sein und sich für seine Umwelt interessieren.

Manche Eltern pickten sich aber nur ein oder zwei Merkmale heraus, die ihr Kind erfüllt. Sie glaubten dann fälschlicherweise, ihr Kind sei bereits schulfähig, sagt Ulbricht. Wunschdenken und eine falsche Vorstellung von Schule könnten ebenfalls dazu führen, dass zu früh über eine Einschulung nachgedacht wird. Eltern sollten sich deshalb auch von anderer Seite Einschätzungen holen.

Dafür wenden sie sich am besten an die Erzieher im Kindergarten. Denn sie erleben die Kinder außerhalb des häuslichen Umfelds. Außerdem werden im Kindergarten ähnliche Regeln gefordert wie in der Schule. Auch der Kinderarzt kann oft weiterhelfen. Gute Ansprechpartner sind darüber hinaus Erziehungs- und Schulberatungsstellen. Schließlich sollte auch das Kind gefragt werden, ob es überhaupt Lust hat, in die Schule zu gehen.
dpa-Magazin / mag
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