In Beziehungen alten Ballast loswerden

Paare sollten sich regelmäßig Zeit für Gespräche nehmen und herausfinden, ob beide zufrieden in ihrer Beziehung sind. (Foto: Monique Wüstenhagen)

In einer Beziehung kann sich nach einiger Zeit viel ansammeln: Gewohnheiten schleifen sich ein, Dinge bleiben ungesagt, und die Bedürfnisse des anderen geraten aus dem Blick. Manchen Menschen kann es deshalb ein Bedürfnis sein, ab und an für Ordnung zu sorgen, sagt Felicitas Heyne, Paartherapeutin und Buchautorin.

Zwingend sei die Beziehungsinventur zwar nicht, sagt der Hamburger Paartherapeut Jörg Wesner: "Aber jede Liebe kann sie gebrauchen, weil sie eine gute Gelegenheit ist, sich der schönen und positiven Seiten der Beziehung zu besinnen."Laut Wesner kann so ein Frühjahrsputz in vier Schritten ablaufen. "Das Erste ist ja immer das Aufräumen, also zu klären, welche Begebenheiten, vielleicht auch Auseinandersetzungen und Kränkungen des vergangenen Jahres sind noch übriggeblieben", sagt er.

Merken die Partner, dass zwischen ihnen noch etwas ungeklärt ist, sollten sie nicht darüber hinweggehen. "Manchmal ist vielleicht doch noch eine Entscheidung fällig, die der andere dann aussprechen kann", sagt Felicitas Heyne.

Für Dariush Barsfeld, Paarberater und Autor in Darmstadt, fängt der Frühjahrsputz der Liebe immer bei der Person selbst an: "Man kann ab und zu auch mal die eigenen Erwartungen und Hoffnungen entrümpeln, die in der Regel in Partnerschaften viel zu hoch gesteckt sind." Über ihre Erwartungen und Hoffnungen sollten Partner allerdings auch miteinander sprechen. "Wichtig ist, dass man neugierig aufeinander bleibt", sagt Barsfeld.

Für Paartherapeut Wesner kommt an zweiter Stelle, dass das Paar seine Entscheidung für die Beziehung noch einmal bekräftigt. "Da kann man dem Partner einmal in aller Ausführlichkeit sagen, was man am anderen mag", sagt er.

Als dritten Punkt könne sich das Paar überlegen, wie sie den freigewordenen Raum nach dem Aufräumen füllen wollen: "Da kann man sich dann fragen, was man denn gemeinsam machen will", sagt Wesner.

Rituale halten alle Paartherapeuten für unverzichtbar. Wichtig sei, dass sich die Paare Zeit nehmen, in der sie sich nicht über Alltäglichkeiten austauschen. "Das müssen keine aufgemotzten Termine beim Edel-Italiener oder im Wellness-Resort sein, sondern kann auch der Rotweinabend auf dem Sofa sein. Aber ohne Fernseher, Telefon und Kinder", sagt Heyne. Auch Wesner hält solche Gespräche für unverzichtbar. Nebenbei funktioniere das nicht. Erst dann sei Raum für den letzten Schritt des Frühjahrsputzes, nämlich die Frage: "Was will ich künftig mehr oder weniger für die Beziehung oder für mich tun?" Dazu könne beispielsweise gehören, weniger zu sticheln oder häufiger etwas alleine zu unternehmen.


dpa-Magazin / mag
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