Jede Blume hat ihre eigene Symbolkraft

Speziell zu den Trauertagen wird der Verstorbenen durch Grabbesuche und das Schmücken der Gräber mit symbolträchtigen Pflanzen gedacht. (Foto: CMA/interPress)

Jede Jahreszeit spiegelt bestimmte seelische Grundstimmungen wider. Dies wird deutlich, wenn man der Natur tief ins Gesicht schaut: Der Herbst kündigt eine besinnliche und stille Zeit an und bietet für viele Menschen einen Anlass, sich intensiv mit der eigenen Gemütslage auseinander zu setzen.

Mit den kürzer werdenden Tagen beginnt ein Zeitabschnitt, der nach der Fülle des Sommers an die Vergänglichkeit des Lebens und damit an die eigene Sterblichkeit erinnert. Gedanken, die sonst meist wenig gegenwärtig sind und gerne verdrängt werden. Vor allem zu den Totengedenktagen schmücken viele Menschen die Gräber ihrer Verstorbenen mit herbstlichen Gestecken. Kollektive Gedenktage stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl der Hinterbliebenen. Auch der Geburtstag des Verstorbenen, sein Todestag oder auch Weihnachten sind Anlässe, zu denen die Familie am Grab zusammenkommt und sich gegenseitig Trost spendet. Ein persönlicher Blumengruß setzt dabei Zeichen für eine lebendige Erinnerung.Oft sagen die Pflanzen mehr aus, als sie auf den ersten Blick offenbaren. Ob es die Lieblingsfarbe des Verstorbenen ist, mit der stille Verbundenheit ausgedrückt wird, oder ein Tränendes Herz als Metapher der Trauer: Über Jahrhunderte hinweg haben viele auf Friedhöfen verwendete Pflanzen ihre ganz eigene symbolische Aussage erhalten. Wer genau hinsieht, kann lernen, sie zu entziffern.

Bereits zu Zeiten, als noch keine intensive Grabpflege betrieben wurde, maß man den auf den Gräbern zufällig wachsenden Pflanzen eine eigene Bedeutung zu. Ging zum Beispiel eine Distel oder Königskerze auf, wies dies darauf hin, dass der Verstorbene im Fegefeuer schmachtete und um eine Fürbitte oder Seelenmesse ersuchte. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die Friedhofsflora vor allem von Nutzpflanzen bestimmt. Der Apfelbaum symbolisierte den Sündenfall, die Kirsche das Paradies und der Nussbaum galt als ein Zeichen für Leib und Seele. Wacholder sowie Holunder gewährten den Verstorbenen Schutz vor bösen Mächten. Bis heute stehen Efeu, Buchs und Immergrün als Symbole für das ewige Leben. Eine Lilie bedeutet Unschuld und Reinheit, die Ringelblume verkörpert den Schmerz der Hinterbliebenen. Frauenmantel und Mohn hingegen sind Sinnbilder des sanften Todes. Mimose und Sonnenblume sind dafür bekannt, dass sie sich nach der Sonne drehen und stehen daher für die sich Gott zuwendende Seele. Dornen tragende Sträucher erinnern an die Passion Christi. Ewige Liebe über den Tod hinaus zeigt die rote Rose an, deren Blätter im christlichen Kontext die Wundmale von Christus am Kreuz und die Muttergottes symbolisieren.


interPress / iPr
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