Kinder zum Ausziehen bewegen

Mama und Papa sind cool, man versteht sich blendend, es ist gemütlich, der Kühlschrank gefüllt. Warum sollte man ein solch perfektes Nest verlassen? Einige junge Erwachsene denken gar nicht daran auszuziehen. In so einem Fall müssen die Eltern ihrem Nachwuchs einen Schubs geben.

Nicht jeder junge Erwachsene bleibt allerdings freiwillig zu Hause wohnen. "Die Ausbildungszeit dauert heute deutlich länger als früher, so dass die meisten jungen Menschen später in den Job einsteigen", erklärt Walter Bien vom Deutschen Jugendinstitut in München.Große finanzielle Sprünge sind während Ausbildung oder Studium nicht drin, viele sind auf die Unterstützung der Eltern angewiesen. Außerdem verschärft sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt, günstige Wohnungen sind kaum zu bekommen.

All dies hat dazu geführt, dass die Zahl der 18- bis 34-Jährigen steigt, die noch im elterlichen Haushalt leben.

Etwa ein Drittel der Nesthocker hat es sich bequem gemacht bei Mama und Papa, stellte die Entwicklungspsychologin Christiane Papastefanou aus Ludwigshafen in mehreren Studien fest. Und doch läuft das Zusammenwohnen der jungen Erwachsenen mit Vater und Mutter selten reibungslos. "Weder Eltern noch Kinder kommen aus ihrer Rolle heraus", sagt Papastefanou.

"Vor allem Eltern müssen sich hier an die eigene Nase fassen", sagt Heidemarie Arnhold, Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung in Berlin. "Sie senden oft doppelte Botschaften." Vater und Mutter wünschen sich zwar nach 20 Jahren der Konzentration auf den Sprössling wieder mehr Zeit für ihr eigenes Leben. Sie wollen nicht mehr die Wäsche des Sprösslings waschen und bügeln - tun es aber.

Gefragt ist daher Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Die Eltern müssen überlegen, warum ihr Kind nicht auszieht - liegt es an ihnen, ist es die pure Bequemlichkeit, oder hat das Kind Angst, hinaus ins Leben zu gehen? Dann könnte professionelle Hilfe durch einen Psychologen weiterhelfen.

Haben sie dies für sich geklärt, steht das Gespräch mit dem Kind an. Darin sollten Eltern klar machen, dass es ausziehen muss. "Eltern sollten klar sagen, wie die Situation aussieht und was sie wollen", rät Bien.

Um ein solches Gespräch kommen die Eltern nicht herum - sie brauchen nicht zu hoffen, dass Andeutungen reichen, damit das Kind begreift, was sie wollen.


dpa-Magazin / mag
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