Nicht wegschauen: Freunden bei Mobbing helfen

Mobbing-Opfer sind nicht selten allein mit ihrem Kummer. Freunde helfen oft schon, wenn sie einfach da sind und zuhören. (Foto: Silvia Marks)

Welche Mitschüler gemobbt werden, ist Jugendlichen häufig bekannt. Sie machen dann einen Bogen um das Mädchen aus der siebten Klasse oder den Jungen in der zehnten. Schwierig wird es, wenn der beste Freund oder die beste Freundin gemobbt wird. Viele Jugendliche wissen dann nicht: Soll ich meinen Freund schützen oder mich lieber von ihm fernhalten?

Von Mobbing spricht man, wenn es nicht bei einmal Ärgern bleibt und eine Person über längere Zeit schikaniert wird, erklärt Ina Brecheis, Pädagogin bei Klicksafe, einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz in Ludwigshafen. Durch Internet und Smartphones erreichen die gezielten Beleidigungen das Opfer rund um die Uhr und überall.

Mobbing und Cybermobbing gehören eng zusammen, eine Grenze lässt sich nur schwer ziehen. Die Gefahr beim Cybermobbing: "Das Mobbing zieht ganz schnell große Kreise", sagt Rosemarie Hannemann, Diplom-Sozialarbeiterin bei der Jugendberatung Zittau. "Man muss nur mal eben im Netzwerk ‚Gefällt mir‘ klicken und schon ist es weiter verbreitet."

Ein Alarmzeichen ist es, wenn sich Jugendliche zurückziehen. "Davon gibt es viele", sagt Hannemann von der Jugendberatung. "Jemand ist immer krank, bleibt der Schule fern, das Klima in der Klasse verschlechtert sich, oder das Verhalten ändert sich: Man wird aggressiver, oder man zieht sich eben zurück."

Wenn sich der beste Freund so stark verändert, benötigt er dringend Hilfe. "Ein offenes Ohr ist das Wichtigste", erklärt Brecheis von Klicksafe. "Dann kann das Mobbingopfer den ganzen Frust rauslassen und mit jemandem auf Augenhöhe reden." Die besten Freunde seien meist die ersten Gesprächspartner. Erst danach wenden sie sich die Betroffenen an Eltern, Lehrer oder Schulpsychologen.

Wer für den gemobbten Freund da ist und mit ihm darüber spricht, macht schon mal alles richtig. Und Brecheis hat noch einen Tipp: "Zum Mobbing gehören nicht nur Täter und Opfer. Es gibt viele Personen, die drumherum stehen, nichts machen und damit beim Mobbing helfen." Es sei eine gute Möglichkeit, wenn der beste Freund und der Gemobbte diese schweigende Mehrheit ansprechen und sie dazu ermutigt, Zivilcourage zu zeigen.
dpa-Magazin / mag
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.