Verhaltensmuster erkennen und ändern

Einfach mal "Nein" sagen: Mit etwas Übung klappt das auch ohne Gewissensbisse. (Foto: Mascha Brichta)

Neinsagen klingt in der Theorie meist leichter, als es in der Praxis ist. Experten raten deshalb, das Neinsagen zu üben - so lange, bis es ohne langes Überlegen und schlechtes Gewissen ausgesprochen werden kann.

Um zu verstehen, wann und warum aus einem Nein ein Ja wurde, müssen Betroffene sich selbst auf die Schliche kommen. "Es ist wichtig, dass man diese Situationen analysiert", sagt Monika Radecki aus Heidelberg. Die Autorin bietet zum Thema "Nein sagen" Trainingskurse an. Denn nur wer durchschaut, welche eingeschliffenen Muster ihn am Neinsagen hindern, kann diese in Zukunft bekämpfen.Um sich Situationen bewusst zu machen, können verschiedene Strategien zum Zuge kommen. "Das kann ein ruhiger Moment sein, in dem ich mich zurückziehe und vergangene Situationen aufschreibe." Eine andere Möglichkeit sei ein Gespräch mit dem Partner oder einer Freundin, in dem man vergangene Fälle durchspielt.

Es gibt zahlreiche Gründe, die Menschen darin hindern, klare Grenzen zu ziehen. "Bei einigen spielt die Erziehung eine große Rolle. Andere haben Angst, dass die Beziehung zu der anderen Person leidet, wenn ich Nein sage", erklärt Markus Biebl, Psychotherapeut aus Bad Säckingen. Auch das Selbstbild funke oft dazwischen: Wer von sich selbst erwartet, allzeit hilfsbereit und großzügig zu sein, tut sich mit Absagen schwerer als andere.

Oft scheitert das Neinsagen jedoch nicht am Willen des Einzelnen, sondern am Zeitdruck. Ein Trick ist deshalb: "Verschaffen Sie sich Bedenkzeit", rät Biebl. Bittet einen jemand um etwas, könne man entgegnen: "Ich möchte es mir überlegen, ich sage dir später Bescheid." Die Bedenkzeit schaffe einen Puffer, um herauszufinden: "Will ich absagen oder helfen? Schaffe ich das?".


dpa-Magazin / mag
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