Vertragsanwälte sind nicht immer erste Wahl

Rechtsschutzversicherungen arbeiten oft mit bestimmten Anwälten zusammen. (Foto: Mascha Brichta/dpa/mag)

Anwälte gibt es viele. Für manchen Mandanten kann das ein Problem sein, denn wie soll er aus diesem Heer den passenden Anwalt finden?

Hilfe bekommen Verbraucher unter anderem von ihrer Rechtsschutzversicherung. In der Regel erhalten Kunden dort die Adresse eines Rechtsanwalts, mit dem die Versicherung eng zusammenarbeitet. Allerdings ist der Vertragsanwalt nicht in jedem Fall der optimale Rechtsbeistand.Viele Rechtsschutzerversicherungen verfügen über ein Netzwerk von Anwälten und Kanzleien. Ein solches Netzwerk kann den Unternehmen helfen, die Kosten niedrig zu halten, erklärt Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Denn die Anwälte seien Spezialisten auf dem jeweiligen Rechtsgebiet und zudem mit den Arbeitsabläufen der Versicherungen vertraut.

Allerdings muss ein Vertragsanwalt nicht immer die beste Wahl sein. Problematisch werde es immer, wenn es zu Konflikten mit der Versicherung kommen kann, erklärt Monika Maria Risch, Fachanwältin für Versicherungsrecht und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im DAV. So habe ein Mandant kürzlich ein Problem mit seinem Vermieter gehabt und deswegen Rechtsberatung in Anspruch genommen. Die Rechtsschutzversicherung will die Kosten jedoch nicht übernehmen, weil ihrer Ansicht nach für solche Fälle kein Versicherungsschutz besteht.

Für einen Anwalt aus dem Netzwerk einer Versicherung könne ein solcher Fall zum Problem werden, sagt Risch. Der Anwalt steht zwischen den Stühlen: Zum einen müsste er dem Mandanten raten gegen den Versicherer vorzugehen, damit er eine gerichtliche Klärung herbeiführen kann. Andererseits dürfte der Vertragsanwalt an der Führung eines solchen Prozesses gehindert sein, da er ja selbst einen Vertrag mit dem Rechtsschutzversicherer hat. Vertragsanwälte können für Kunden aber auch Vorteile haben. Die Rechtsschutzversicherer stellten an Rechtsanwälte, die sie in ihr Empfehlungsnetzwerk aufnehmen, hohe Qualitätsanforderungen, erklärt Lübke. Einige Unternehmen verlangen etwa, dass Vertragsanwälte auch kleinere Fälle annehmen, ihren Mandanten innerhalb einer bestimmten Frist Antworten auf Anfragen geben oder dass immer mehrere Anwälte in der Kanzlei sind, so dass stets einer von ihnen erreichbar ist.


dpa-Magazin / mag
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