Vielen Kindern fehlt Bewegung zum Müdewerden

Gut schlafen, um für den nächsten Tag fit zu sein: Das klappt besser, wenn Kinder Einschlafrituale wie das Lesen einer Geschichte haben. (Foto: Silvia Marks)

"Ich habe Durst. Ich muss nochmal. Ich will eine Wärmflasche. Da sitzt ein Mann im Schrank." Wenn Kinder abends den Schlaf hinauszögern wollen, sind sie grenzenlos kreativ. Nach dem Ärger der Eltern folgt nach einiger Zeit die Sorge: Schläft mein Kind genug? Vor allem, wenn Sohn oder Tochter morgens für die Schule fit sein sollen, ist das ein Problem.

Jeder Mensch braucht je nach Alter eine angemessene Portion Schlaf, um zu regenerieren, sagt Prof. Ulrich Koehler, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Für Kinder im Vorschul- und Grundschulalter gelten als Richtwert neun bis zehn Stunden. Der individuelle Schlafbedarf ist sehr unterschiedlich: "Wenn ein Zweitklässler um 7 Uhr aufstehen muss, reicht es oft aus, wenn er um halb neun abends schläft", sagt Angelika Schlarb, Psychologin an der Universität Tübingen. Doch halb neun bedeutet in vielen Familien paradiesische Zustände. Denn oft wird es wesentlich später."Ein Kriterium, ob ein Kind ausreichend schläft, ist, wie gut es morgens aufsteht. Muss man es mehrfach wecken? Kommt es nur schwer in die Gänge?", nennt Schlarb als Kriterien. Doch nicht nur das mühevolle Aufstehen kann ein Zeichen für Schlafmangel sein, auch Tagesmüdigkeit deutet darauf hin. "Kinder, die tagsüber unaufmerksam sind, hibbelig, reizbar und kaum noch lernen wollen, schlafen in der Regel zu wenig", sagt die Hamburger Kinderärztin Annette Lingenauber.

"Wer das Gefühl hat, das Kind will seine Grenzen austesten und daher nicht ins Bett gehen, sollte klare, verlässliche Regel für das Zubettgehen aufstellen", rät Angelika Schlarb. Kleine Abweichungen sind aber erlaubt: Zum Beispiel, dass das Kind im Bett noch liest oder eine CD hört, die Eltern aber nicht mehr stört, schlägt die Kinderärztin Lingenauber vor.

Wenn das Kind abends jedoch nicht zur Ruhe kommt, spielen andere Faktoren eine Rolle. "Da sollte man sich zum einen den Tagesablauf des Kindes genau ansehen", rät Schlafforscher Prof. Koehler. Das größte Manko ist meist: Vielen Kindern fehlt die Bewegung. Sie sind körperlich nicht ausgepowert und daher nicht müde.

Eine entscheidende Rolle spielt außerdem der Medienkonsum. Selbst Grundschüler haben oft schon Smartphones oder Tablets, auf denen sie bis kurz vor dem Einschlafen spielen oder Filme schauen. "Das aber belastet viele Kinder emotional", sagt Psychologin Schlarb.

Mit abendlichen Ritualen kann das Kind lernen, runterzukommen. "Es sollte nicht nur eine Pause zwischen Fernsehkonsum und Einschlafen liegen, diese Zeit sollte möglichst auch einen einigermaßen festen Ablauf haben", sagt Kinderärztin Lingenauber. Die Gute-Nacht-Geschichte sei ein klassisches Mittel, um den Tag ausklingen zu lassen. Diese Routine dürfe zwar ab und zu unterbrochen werden, beispielsweise am Wochenende. Doch bei Kindern mit Einschlafproblemen sei ein stabiler Rhythmus sehr wichtig.

Literatur: Paul Suer: "Wenn mein Kind nicht schlafen will. Ein Ratgeber für ruhige Nächte", Urania, 128 Seiten, 12,95 Euro, ISBN 9783332018387.

dpa-Magazin / mag
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