Worauf es bei Ferngläsern ankommt

Steiners Nighthunter Xtreme soll Temperaturen von minus 40 bis plus 80 Grad aushalten. (Foto: Steiner)

Wer auf Reisen oder in der Natur ein Fernglas dabeihat, sieht mehr. Doch der Kauf ist aufgrund der Vielzahl von Fachbegriffen und Angeboten nicht ganz leicht.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Ferngläsern mit unterschiedlichen Prismensystemen. "Das Prismensystem in einem Fernglas hat die Aufgabe, die höhen- und seitenverkehrte Abbildung - spiegelverkehrt und auf dem Kopf stehend - zu drehen und aufzurichten", erklärt Peter Frankenstein vom Verband Spectaris. Die Bauweise der Spiegel bestimmt die Form des Fernglases: Modelle mit dem sogenannten Porro-Prismensystem sind eher breit und kurz. Das Dachkant-Prismensystem macht Ferngläser schlanker, aber auch teurer.

Dazu gibt es als dritte Form das Spektiv, ein leistungsstarkes Beobachtungsfernrohr mit hohem Vergrößerungsfaktor, das sich besonders für Naturbeobachtungen aus großer Entfernung eignet. Es sorgt auch bei Dämmerung noch für gute Sicht und ist deshalb vor allem bei Vogelkundlern und anderen Naturbeobachtern beliebt, erklärt Verbandssprecher Frankenstein. Damit das Bild auch bei großen Distanzen ruhig ist, werden Spektive fast immer auf einem Stativ befestigt. Zusammen mit einer Kompakt-Digitalkamera lassen sich mit dem Fernrohr sogar Fotos mit extremer Brennweite erstellen, Profis sprechen dabei von Digiskopie.

Zu den wichtigsten Werten bei einem Fernglas gehören die Vergrößerung und der Durchmesser des Objektivs. "Ein Glas mit zehnfacher Vergrößerung zeigt 100 Meter entfernte Dinge so, als stünde man 10 Meter davor, Achtfach-Gläser holen alles nur auf 12,5 Meter heran", erklärt Peter Frankenstein. Der Durchmesser des Objektivs entscheidet über die Bildqualität bei Dämmerung: Je größer der Durchmesser, desto heller erscheint das Bild. Allerdings erhöht sich mit zunehmendem Durchmesser auch das Gewicht eines Fernglases. Beide Werte finden sich in der sogenannten Typkennzahl wieder. Ein Fernglas mit der Zahl 10x42 hat zum Beispiel eine zehnfache Vergrößerung und einen Durchmesser von 42 Millimetern.

Wer das Fernglas vor allem auf Wandertouren und sonstige Outdoor-Ausflüge mitnehmen will, sollte neben den inneren Werten auch die Hülle beachten. "Das Gehäuse soll robust sein: wasserdicht, stoßfest und staubdicht", sagt Boris Gnielka von der Zeitschrift "Outdoor Magazin". Aufgrund ihres geringen Gewichts und der kompakten Bauweise empfiehlt der Redakteur für Abenteuerreisen Ferngläser mit Dachkant-Prismen. Zur Pflichtausstattung gehört ein spezielles Reinigungstuch, das es im Fotofachgeschäft oder beim Optiker gibt - Papiertaschentücher können die teuren Gläser beschädigen. Ein einfacher Objektivschutz reicht bei robusten Ferngläsern für den Transport aus.

Zusätzlich sollte das Fernglas auch ruhig in der Hand zu halten sein: Ideal ist dafür eine achtfache Vergrößerung, erklärt Gnielka, zehnfach sei das Maximum. Höhere Werte sorgen ohne Stativ zu schnell für Wackler. Damit die Gläser nicht beschlagen, müssen die Geräte einen mit Stickstoff gefüllten Strahlengang haben. "Für Blumen und Kleintierinteressierte ist eine geringe Naheinstellgrenze von etwa zwei Metern relevant, für Vogelfreunde eine hohe Dämmerungszahl von mindestens vier und eine hohe Farbneutralität", nennt Gnielka weitere wichtige Faktoren.


dpa-Magazin / mag
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