Eine Friedrichstraße ohne Autos: ADFC begrüßt ADAC-Vorschlag zur Verkehrsberuhigung

Breite Gehwege mit Sitzplätzen für Café-Besucher könnten zum Bummeln einladen. Heute aber eilen die meisten an den Schaufenstern vorbei. (Foto: Regina Friedrich)

Mitte. Eigentlich hatten sich Rot-Rot-Grün in den Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, dass ab 2019 auf der Straße Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Humboldtforum nur noch Fußgänger, Radfahrer, Busse, Taxis und diplomatischer Verkehr unterwegs sein sollen. Der ADAC hingegen möchte die Friedrichstraße autofrei machen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist auch dafür. Auf der Friedrichstraße gibt es keine Radwege, das bringt Radler nicht selten in gefährliche Situationen. Die Gehwege sind an vielen Stellen auch nicht sehr breit. Für eine Einkaufsmeile, die die Friedrichstraße sein möchte, nicht gerade optimal. Deshalb leiden die Geschäfte dort seit Jahren unter einem zu geringen Kundenstrom.

„Die Friedrichstraße bleibt weit hinter ihrem Potenzial zurück, hier wurden bereits in den 90er-Jahren die Weichen in der Stadtentwicklung falsch gestellt“, sagt Tim Lehmann, Stadtplaner, Mobilitätsforscher und im ADFC Berlin. „Die meisten privaten Autos in der Friedrichstraße sind Parkplatzsucher oder Freizeitfahrer auf dem Weg ins Grüne, die wollen gar nicht in die Läden.“

Als Verkehrsverbindung schätzt Philipp Poll, Landesgeschäftsführer des ADFC Berlin, den Nutzen der Straße als gering ein. „Wer heute schnell mit seinem Auto in Nord-Süd-Richtung durch die Innenstadt will, wählt eine der parallel verlaufenden Hauptstraßen. Zudem gibt es eine schnelle S-Bahn-Verbindung."

Durch einen Umbau der Friedrichstraße könnten breite Gehwege mit Sitzplätzen für Café-Besucher zum Einkaufsbummel einladen. Eine Fahrbahn für Fahrräder, Taxis und Lieferverkehr sorgte für bessere Luft, für weniger Lärm und ein sicheres Überqueren der Straße. Der Verkehr auf den großen Straßen wie der Leipziger Straße würde durch die Entzerrung an den Kreuzungen mit der Friedrichstraße sogar flüssiger.

„Durch eine attraktivere Gestaltung der Friedrichstraße können sich die Einzelhandelsumsätze dort verdoppeln“, glaubt Tim Lehmann, „andere Städte wie Hamburg machen es vor.“ ReF
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