Büroshop Koschel macht seit 68 Jahren gute Geschäfte

Ein Leben zwischen Stiften, Schreibblöcken und Spielzeug. Jutta Koschel und ihre Mutter Rosemarie im Büroshop Koschel in der Torstraße. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Die Schreibwarenläden der Familie Koschel sind bei den Kunden beliebt. Hier wird man seit 68 Jahren herzlich bedient. "Ich geh mal zu Koschel." Wer Kinder hat, die schon selbst einkaufen können, kennt diesen Satz. Aber auch Erwachsene stöbern gern in einem der drei Büroshops.

In den kleinen Läden stehen die Chefs noch selbst hinter der Kasse. In der Invalidenstraße Papa Winfried, in der Torstraße Mama Rosemarie und in der Friedrichstraße Tochter Jutta. Werbung machen die Koschels keine; ihre trotz großer Konkurrenz von Discountern günstigen Preise und das familiäre Klima sind Werbung genug. Und die Kinder bekommen fast immer eine Kleinigkeit geschenkt; auch deshalb lieben die Kids Koschels.

Die Kunden freuen sich, weil sie ebenfalls oft Rabatt bekommen. "Wir sind wie ein Tante-Emma-Laden", sagt Jutta Koschel. Die 55-Jährige arbeitet seit frühester Jugend im Familienbetrieb und führt seit 1979 den Koschel-Shop in der Friedrichstraße. "Man sieht die Kinder groß werden und freut sich, dass sie als Studenten noch bei uns einkaufen", sagt die Koschel-Chefin in dritter Generation. Nach ihr wird es vermutlich vorbei sein, denn Juttas Tochter hat andere Pläne und möchte nicht in das Schreibwarenunternehmen einsteigen.

Großvater Adolf hatte 1946 den ersten Laden für Büromaterial, Fest- und Scherzartikel in der Invalidenstraße eröffnet. Schreibwaren laufen immer, war er sich sicher. In der DDR waren die zeitweise drei Koschel-Filialen in der Invalidenstraße bestens besucht. Wenn Koschels mal wegen Urlaub geschlossen hatten, standen am ersten Geschäftstag lange Schlangen vor der Tür.

Winfried Koschel hat die Ware immer selbst mit dem Barkas von den Fabriken abgeholt. Wenn private Händler was wollten, mussten sie containerweise ordern. "Einmal hatten wir eine Kiste mit 1000 Plüschhunden aus der Spielzeugfabrik Sonneberg", sagt Jutta. Ging auch alles über die Theke. Das Geschäft hat gebrummt zu DDR-Zeiten. Mit der Wende kam die Freiheit. Und natürlich auch die Konkurrenz. Mit der Ruhe war es erstmal vorbei. "Eine Herausforderung" nennt Jutta Koschel den Wechsel in die freie Marktwirtschaft. Die Übergangszeit war schwierig, weil nach dem Mauerfall kaum noch jemand Ostprodukte kaufen wollte. Doch um neue Westwaren einzukaufen, fehlte in den ersten Monaten die D-Mark. Aber auch das haben die Koschels schnell geschafft. Die Büroshops laufen seit über zwei Jahrzehnten wie geschmiert. 1992 wurde ein dritter Büroshop in der Torstraße eröffnet. In den Lagern stehen noch kistenweise Spielsachen aus DDR-Produktion, die nach der Wende keiner mehr wollte. Spiele, Brummkreisel, Plüschtiere, handgefertigte Holzautos - originale Raritäten, die Jutta Koschel "ohne Nostalgiebonus" noch heute für maximal zwei Euro verkauft. Vielleicht sollte sie DDR-Museen mal fragen, ob sie das eine oder andere für ihre Ausstellungen gebrauchen können.

Auch wenn die Familienfirma Koschel zu DDR-Zeiten ein gutes Auskommen hatte, möchte niemand die DDR zurück. "Wir sind jetzt in allen Entscheidungen freier", sagt Jutta Koschel. Und Schreibwaren laufen immer, wusste schon Großvater Adolf.

Informationen auch unter www.bueroshop-koschel.de.

Dirk Jericho / DJ
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