Gericht stoppt Leichenschau: Bezirk will Menschen Museum am Alex schließen

Angelina Whalley mit Ehemann Gunther von Hagens im Menschen Museum am Alex. (Foto: Dirk Lässig)
Berlin: Menschen Museum |

Mitte. Das Oberverwaltungsgericht hat im Berufungsverfahren dem Bezirksamt Mitte Recht gegeben, das die erste dauerhafte Körperwelten-Ausstellung verbieten will.

Dreimal ist Bürgermeister und Gesundheitsstadtrat Christian Hanke (SPD) vor Gericht mit dem Versuch abgeblitzt, die spektakuläre Körperwelten-Ausstellung im Sockelbau des Fernsehturms zu verbieten. Doch jetzt sieht es so aus, als ob das im Februar eröffnete Menschen Museum mit seinen 20 in Szene gesetzten Ganzkörperplastinaten und über 200 echten Organen und Knochen schließen muss.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) bestätigte im Berufungsverfahren die Auffassung des Bezirkes, wonach die Leichenschau gegen das Bestattungsgesetz verstößt. Demnach dürfen Leichen nicht ausgestellt werden und müssen bestattet werden. Für den 12. OVG-Senat sind die präparierten Toten von Plastinator Gunther von Hagens Leichen im Sinne des Berliner Bestattungsgesetzes. Und Leichen dürfen nicht ausgestellt werden.

Die Macher vom privaten Menschen Museum hatten sich immer darauf berufen, dass die Plastinate keine Leichen sondern wissenschaftliche Präparate sind. „Auf diese Ausnahme kann sich die Klägerin aber nicht berufen, weil sie selbst kein anatomisches Institut ist, sondern eine mit dem Zweck der Durchführung von Ausstellungen gegründete Gesellschaft“, so die Richter. Die Betreiber des Museums könnten auch keine Einwilligungen der Körperspender vorweisen. Auch wenn die Körperspender, die von Hagens in seinen Instituten in Heidelberg und Guben präpariert, zugestimmt hätten, könnte die Behörde das nicht kontrollieren, weil „die bei Annahme der Verstorbenen vergebene ID-Nummer bei Abschluss des Herstellungsprozesses entfernt wird“, so das Gericht.

Hanke will über das weitere Vorgehen nach Zugang der Urteilsbegründung entscheiden. Er freut sich, „dass die voyeuristische Kommerzialisierung des Todes unter dem Deckmantel einer Populärwissenschaftlichkeit mit dem Ziel der Gewinnmaximierung hoffentlich nun auch juristisch unterbunden werden kann.“ Der Bezirk Mitte werde alles unternehmen, um die Ausstellung schnellstmöglich zu schließen. Bis zu einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung bleibt das Museum geöffnet. DJ
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