Pumpenwürger: Feuchttücher verursachen Millionenschäden bei den Wasserbetrieben

Ulrike Franzke und Helmut Rauwald von den Berliner Wasserbetrieben zeigen eine Palette gebräuchlicher Vlies-Produkte, die nicht ins WC gehören. (Foto: Kahle)
Berlin: Wasserbetriebe |

Berlin. Vliestücher erfreuen sich in Küchen und Bädern zunehmender Beliebtheit. Die Feuchttextilien sind saugstark und reißfest. Nach Gebrauch landen sie häufig auch in der Toilette. Und damit beginnt das Problem.

Weggespült treiben sie manchmal schon wenige Meter weiter Installateure und Entstörer der Berliner Wasserbetriebe zur Verzweiflung. Denn die nahezu reißfesten Vliese verstopfen Rohre in der Kanalisation und Rechenanlagen in den Klärwerken. Oder sie verwinden sich zu oberschenkeldicken Zöpfen, vor denen selbst PS-starke Pumpwerke kapitulieren.

Allein in diesem Jahr zählte der Entstörungsdienst der Berliner Wasserwerke bislang rund 1000 Einsätze wegen Verstopfungen der Pumpen und Kanäle. Zwischen 2009 und 2012 stiegen die Verstopfungen um 200 Prozent. Und der Markt an Vliestüchern steigt um jährlich rund acht Prozent allein in Deutschland. Hinzu kommt: Berlin ist eine wachsende Stadt. Jährlich begrüßt die Hauptstadt rund 45.000 Neubürger.

„Seit dem Jahr 2000 müssen unsere Entstörer immer häufiger ausrücken, um blockierte Pumpen und Rechenanlagen wieder flott zu machen“, sagt Ulrike Franzke, Chefin der Abwasserentsorgung der Berliner Wasserbetriebe. Das sei so teuer wie überflüssig. Allein die Verstopfungsbeseitigung in Kanälen, Pump- und Klärwerken kosten die Wasserbetrieben jährlich rund eine Million Euro, Tendenz steigend. „Hinzu kommen noch die Kosten für die dadurch anfallenden Reparaturen sowie die durch die zunehmende Belastung der Pumpen steigenden Stromkosten“, ergänzt Helmut Rauwald, Chef der 157 Berliner Abwasserpumpwerke.

„Ein Klosett ist keine Mülltonne“, appelliert Ulrike Franzke. Nur menschliche Ausscheidungen, Klopapier und Wasser gehören in den Abfluss, alles andere ist Abfall und kein Abwasser, gehört also in die Mülltonne.

Neben einer umfassenden Aufklärungskampagne und einer verstärkten Kommunikation mit den Herstellern von Vliesprodukten rüsten die Wasserbetriebe auch technisch auf, um den Pumpenwürgern beizukommen. „In Forschungsprojekten mit den Fluidsystemdynamiker von der TU Berlin werden Strömungen in Kanälen und Saugräumen von Pumpen so verändert, dass es die Lumpen schwerer haben, zu verzopfen. An Pumpen mit Hackmessern wird getüftelt und an solchen, die Blockaden schon im Ansatz erkennen und sich dann automatisch mit Laufumkehr oder heftigem Drehzahlwechsel wehren können“, sagt Jan Wischnewski, zuständig für Forschung und Entwicklung bei den Berliner Wasserbetrieben. Michael Kahle
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