„Seit Generationen stehen unsere Würstchen für die Region“

Sebastian Kühn, einer der Geschäftsführer der Eberswalder Gruppe, beim Interview. (Foto: Christian Hahn)
 
Sebastian Kühn ist stolz auf das soziale Engagement seines Unternehmens. So unterstützt es unter anderem Sportvereine der Region. (Foto: Christian Hahn)
 
Sebastian Kühn: "Ich habe noch immer Appetit auf unsere Würstchen." (Foto: Christian Hahn)

Die Eberswalder spüren noch immer die Aufbruchstimmung seit der Übernahme. Das Führungsteam besteht aus dem Seniorchef Dr.-Ing. Eckhard Krone, seinem Sohn Mario Krone, seinem Schwiegersohn Sebastian Kühn und Patricia Benz. In einem Gespräch gibt Sebastian Kühn, Geschäftsführer der EWG Eberswalder Wurst GmbH, Auskunft zu Besonderheiten und der Verantwortung des Familienunternehmens.

Die Eberswalder Wurst und Fleisch GmbH produziert seit mehreren Jahrzehnten unverwechselbare Produkte aus der Region Berlin-Brandenburg und ist sogar größter Fleisch- und Wurstproduzent im Osten Deutschlands. Herr Kühn, worauf begründet sich der Erfolg Ihres Unternehmens?

Sebastian Kühn:Wurst und Fleisch ist als Produktionsbetrieb entstanden, um die Region zu versorgen. Begründet durch die Nähe zu Berlin, sind Eberswalder Produkte schon vor der Wende ein Begriff gewesen. Das haben wir natürlich versucht, in die Zukunft zu tragen. Mit den notwendigen strukturellen Veränderungen, Innovationen und ethischer Verantwortung haben wir auf die Anforderungen des Marktes reagiert. Damit sind wir heute auf einem guten Weg. Die Basis dabei bilden unsere qualitativ hochwertigen Produkte mit ihrem unverwechselbaren Geschmack und unsere Mitarbeiter, die mit einem großen Maß an Verantwortung richtig gute Wurst machen.

Was ist das Besondere an Ihren Produkten?

Sebastian Kühn: Unser Sortiment wird seit Jahrzehnten in der Region produziert. Dabei setzen wir mit selbst entwickelten und überlieferten regionalen Rezepturen auf die Unverwechselbarkeit unserer Produkte. Wir legen großen Wert darauf, zu sagen: unsere Regionalität ist die Tradition, die Rezeptur und die Hände, die die Wurst herstellen. Insbesondere unsere Eberswalder Würstchen haben es geschafft, seit Generationen für die Region zu stehen.

Warum ist Regionalität für Sie ein Thema?

Sebastian Kühn: Eberswalde ist umgeben von zahlreichen alten Kulturstätten. Darüber hinaus befinden wir uns inmitten einer idyllischen Naturlandschaft. Unsere Marke überträgt die Charakterzüge ihres Herkunftsgebietes auf die Produkte. Frische, Sorgfalt sowie ein naturgegebenes Bewusstsein für die Bewahrung einer lebenswerten Umwelt sind Grundsätze, die in der Unternehmenspolitik fest verankert sind.

Kann ein Unternehmen Ihrer Größe ausschließlich Fleisch von regionalen Produzenten beziehen?

Sebastian Kühn: Wir engagieren uns seit Jahren für die Region. Jedoch müssen wir auch realistisch bleiben. Die 850.000 Schweine, die beispielsweise jährlich in Brandenburg erzeugt werden, würden den Bedarf der Hauptstadtregion nicht einmal bis Ende Mai abdecken. Es ist den Verbrauchern nicht bewusst, dass es dann weder Fleisch noch Wurst auf den Tellern gäbe. Zunächst bezieht Eberswalde seine Rohwaren daher überwiegend von Erzeugern aus dem niedersächsischen Raum. Entscheidend sind für uns bei der Entwicklung regionaler Lieferketten, dass die Erzeuger dem Qualitäts- und Quantitätsanspruch dauerhaft entsprechen. Als Sprecher im Cluster Ernährungswirtschaft des Landes Brandenburg und als Vorstand bei pro agro e.V. sind mir in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit die Produkte aus der Region auch persönlich wichtig.

Fühlen Sie sich dem traditionellen Fleischerhandwerk verpflichtet?

Sebastian Kühn: Natürlich fühlen wir uns dem Handwerk verpflichtet, das ist der Ursprung unserer Produkte. Als Brandenburger Familienunternehmen produzieren wir in einem hart umkämpften Markt aus Qualitätsfleisch Waren, die sich durch Geschmack und Vielfalt auszeichnen. Der Einsatz moderner Produktionsanlagen hat unseren Mitarbeitern die Arbeit deutlich erleichtert. Letztlich haben wir aber die Produkte ihnen zu verdanken. Unsere Mitarbeiter sind das Herzstück von Eberswalde. Hier arbeiten Fachkräfte, die sich durch ihre über Jahrzehnte erworbenen Fähigkeiten auszeichnen. Denn trotz des hohen Automatisierungsgrades gibt es eine Menge Prozesse, bei denen Handwerk und individuelles Fachwissen im Vordergrund stehen. Da ist der Mensch jeder Maschine überlegen. Eine richtig gute Wurst zu produzieren kann wirklich nicht jeder.

Wie gewährleistet Ihr Unternehmen die Qualität der Produkte?

Sebastian Kühn: Bei uns erfolgt die Qualitätssicherung an jedem Arbeitsplatz. Sowohl die Eigenkontrolle als auch die Kontrolle durch die Qualitätsbeauftragten ist oberstes Gebot. Die gesamte Produktion arbeitet nach den DIN-ISO-Qualitätskriterien. Für die Einhaltung der Standards sorgt ein starkes Team von Lebensmitteltechnologen, Technikern und Meistern. Das ist Garant für die Produktion hochwertiger und schmackhafter Eberswalder Fleisch- und Wursterzeugnisse.

Fühlt sich das Unternehmen einer umweltschonenden nachhaltigen Produktion verpflichtet?

Sebastian Kühn: Als Beitrag zum Umweltschutz treffen wir vor allem Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz. So sind seit 2004 effektive Maßnahmen zur Reduzierung der Fernwärmenutzung getroffen worden. Seit 2005 verfügt das Unternehmen zudem über ein eigenes Energiemanagementsystem. Sieben Millionen Euro hat das Unternehmen in neue Technik investiert. Auf dem Betriebsgelände werden bevorzugt Unternehmen aus dem Bereich der neuen Energien angesiedelt, wie zum Beispiel dem Betreiber von Solaranlagen. Ein konsequentes Engagement, ist unbelastete Natur doch ein wertvolles Gut im Lande Barnim.

Wie vervollständigen Sie den Satz: Soziales Engagement bedeutet für mich und das Unternehmen …

Sebastian Kühn: … Verantwortung für die Menschen und die Natur in der Region zu übernehmen. Wir sind nur so gut, wie unsere Belegschaft. Es ist mir wichtig, dass die Mitarbeiter das wissen. Zudem sind wir im Bereich Sportsponsoring und Jugendförderung seit vielen Jahren aktiv und engagieren uns vor Ort durch Förderung ausgewählter, regionaler Veranstaltungen und Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten.

Welche Ziele möchten Sie in den nächsten Jahren umsetzen?

Sebastian Kühn: Agieren und nicht reagieren. Das heißt, dass wir Standards setzen wollen. Dabei möchten wir weit vorausschauend die Bedürfnisse der Verbraucher erkennen. Wir möchten, dass der Konsument aus der Vielfalt des Angebots gezielt nach Eberswalder Produkten greift. Und als Unternehmen wollen wir weiter wachsen, das funktioniert in den letzten fünf Jahren ganz gut. Der Erhalt unserer Produktionsstätte ist uns dabei das wichtigste Anliegen.

Als Familienunternehmen denkt man da in Generationen?

Sebastian Kühn: Wir haben eine schwere Zeit hinter uns. Am Anfang konnten wir nur von einem Jahr aufs andere schauen. Ich hätte Gefallen daran, wenn meine Kinder in meine Fußstapfen treten. Schön wäre das, weil es den Charakter des Unternehmens unterstützt. Eberswalder ist einer der wenigen Betriebe mit einer ostdeutschen Marke, die tatsächlich noch in Familienhand und nicht konzerngebunden ist. Mein Schwiegervater hat unsere Tradition begründet, gemeinsam führen sein Sohn Mario, meine Frau und ich als einer der Geschäftsführer der Eberswalder Gruppe das Unternehmen in Richtung Zukunft.

Hand aufs Herz, Herr Kühn, essen Sie jeden Tag Wurst?

Sebastian Kühn: Ja, tatsächlich! Ich habe noch immer Appetit auf unsere Würstchen.

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