Agora mit Kunstklammer: Brüder-Grimm-Haus: Abstimmung über die Umgestaltungsvariante

Ein aufgeklapptes Modell zeigt das neu gestaltete Brüder-Grimm-Haus. (Foto: KEN)
 
Goldfolie lockt ins Haus. (Foto: KEN)
Berlin: Brüder Grimm Haus |

Moabit. Es muss noch ein Stück Weges gegangen werden bis zu einem lebendigen, öffentlichen Lern- und Begegnungsort. Eine nächste, wichtige Etappe ist geschafft: Am Tag der offenen Tür in der Turmstraße 75 konnten Bürger über drei Varianten der Neugestaltung des Brüder-Grimm-Hauses abstimmen.

Die sogenannte Vorzugsvariante ist die Variante 3. Sie trägt die Bezeichnung „Agora mit Kunstklammer“. In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein hohes, offenes Foyer. Das Dach wird zu einer Kunstgalerie mit Künstlerateliers ausgebaut. Im Erdgeschoss entsteht ein großer Raum, der zeitweilig zu verschiedenen Anlässen genutzt werden kann.

In einer Variante 1, „Foyer mit Saal“, erweitert ein hoher multifunktionaler Saal das Foyer nach Belieben. Im Hinterhof entsteht eine Terrasse. Clou dieser Variante: Ein „Kunstturm“ erstreckt sich über alle Etagen des Hauses. Er ist mit Sichtbalkonen versehen.

Die Variante 2, als „Foyer mit Clubkeller“ betitelt, sieht einen Clubkeller im Souterrain vor. Er ergänzt das Foyer. Auch in dieser Variante sind eine Terrasse im Hinterhof und der Kunstturm vorgesehen.

Zur Vorzugsvariante gibt es zahlreiche Einwände. So wird bemängelt, dass sie weder Kunstturm noch Terrasse zulasse. Vielmehr gehe viel Raum im Zwischengeschoss und Hochparterre verloren. Das Foyer habe keinen Hofzugang und sei für Behinderte nur über eine Hebebühne zu erreichen. Die Haustechnik müsse aufwendig im Keller verlegt werden. Der Dachausbau für Galerie und Ateliers sei ebenfalls über die Maßen aufwendig.

Wie ist es zu den Varianten gekommen? Ganz am Anfang, im Jahr 2014, stand die Erkenntnis, dass das Brüder-Grimm-Haus, ein wichtiger Ort im Kiez mit vielen öffentlichen Kunst- und Kultureinrichtungen, einen zeitgemäßen Umbau benötigt. Mittel für das Vorhaben stehen im Bund-Länder-Förderprogramm „Aktive Zentren“ bereit. Daher ließ das Bezirksamt zwischen Mai 2014 und Februar 2015 durch Bernd Käpplinger, Professor an der Humboldt-Universität und Experte für Erwachsenenbildung, eine Bedarfsanalyse erstellen. Käpplinger und sein Team interviewten externe Experten sowie Akteure im Haus, unter anderem das Berlin Kolleg, die Galerie Nord, die Volkshochschule, die bezirkliche Musikschule und der Verein Lesewelt, veranstalteten mit ihnen Workshops und befragten die Bevölkerung. Käpplingers Abschlussbericht wurde Grundlage für das weitere Vorgehen.

Im April dieses Jahres wurden das Stadtplanungsbüro Stattbau und das Architekturbüro Die Baupiloten mit der Durchführung eines „Beteiligungsprozesses“ und der Entwicklung von Nutzungsentwürfen beauftragt.

Es gibt drei Gruppen von Beteiligten: eine Projektgruppe aus Planern und Auftraggebern, also dem Bezirksamt, ein beratender Beirat, der gleichzeitig die Verbindung zu den Mietern im Haus und in den Kiez hält und sich im Mai in einem Planspiel mit den Themen „Eingang und Foyer“ sowie „Warte- und Lernlandschaften“ auseinandersetzt, sowie die interessierte Öffentlichkeit. Letztere kann sich bis September an einer Zukunftswerkstatt mit vier Workshops, an einem Jugendworkshop und an einer ersten Abstimmung in der Arminiusmarkthalle beteiligen. Es gibt Ausstellungen und Informationsveranstaltungen.

Man kann nun gespannt sein, wie die Wahl über die Varianten wohl ausgeht. Einen Favoriten hatte Stattbau schon ausgemacht: ein hohes, offenes Foyer – mit Agora, Kunstklammer und Clubraum. Der aber stand nicht zur Wahl. KEN
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