Bezirk forderte keine Mikro-Appartements: Stadtrat Gothe widerspricht Investor

Normales Wohnen im Wohnturm "Fritz" wäre zu laut und Lärmschutz für den Investor zu teuer. (Foto: Zabel Property)
Berlin: The Fritz |

Moabit. Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) hat die Behauptung zurückgewiesen, das Wohnen auf Zeit im Wohnhochhaus in der Neubausiedlung „Mittemang“ an der Lehrter Straße sei eine Forderung des Bezirks gewesen.

In einer Pressekonferenz zum Vertriebsstart von Mikro-Apartments im geplanten Wohnturm hatte Bauherr Thomas Groth eben dies geäußert. Mikro-Apartment-Vermarkter Thomas Zabel hatte hinzugefügt, aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung sei in Berlin ein starker Trend zum temporären Wohnen zu beobachten.

Nun hat sich Groth-Geschäftsführer Hendrik Thomsen um eine Richtigstellung bemüht. Dass Mikro-Apartments mit befristeter Wohndauer gebaut und angeboten würden und nicht etwa „normale“ Wohnungen, liege an einer Regelung des städtebaulichen Vertrags zwischen Bezirksamt und Investor. Diese sei dadurch zustande gekommen, dass ein normales Wohnhochhaus nur mit enormen Schallschutzmaßnahmen hätte errichtet werden können – für Groth zu teuer. „Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam mit dem Bezirk entschieden, hier ein Hochhaus für temporäres Wohnen vorzusehen“, erläutert Rainer Kieschke von der technischen Abteilung der Groth-Gruppe. Diese Entscheidung, so Kieschke weiter, komme dem Wunsch sowohl des Bezirks als auch des Investors entgegen, „ein durchmischtes Quartier zu planen, wo sowohl preisgebundene Wohnungen als auch freie Mietwohnungen zur Verfügung stehen sowie auch Eigentumswohnungen und Mikro Apartments“.

Der der Bezirksverordnetenversammlung von Mitte zur Abstimmung vorgelegte Durchführungsvertrag zur Bebauung des Mittelbereichs im neuen Quartier lässt freilich nicht erkennen, wer denn nun die Idee mit den Mikro-Apartments hatte. Im entscheidenden Absatz heißt es lediglich, das Hochhaus sei aufgrund der vorgesehenen kleinen Wohnungen „in besonderer Weise Verkehrslärmemissionen ausgesetzt. „Daher verpflichtet sich der Vorhabenträger, in den genannten besonders belasteten Gebäudeteilen ausschließlich Einzimmerappartements zu errichten, die eine maximale Wohnungsgröße von 30 Quadramtetern nicht überschreiten und nur zum temporären Wohnen geeignet sind“.

Alteingesessenen Bewohnern des Kiezes schmeckt der Wohnturm ohnehin nicht. Unter den zahlreichen Kommentaren auf moabitonline.de schreibt ein H.E., hier seien „aus Studentenbuden mal eben Microapartements für bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter oder eine Miete von 800 bis 1500 Euro“ geworden. Der Autor befürchtet, dass diese hohen Kauf- und Mietpreise sich sehr wohl auf den Mietspiegel des gesamten Quartiers auswirken. KEN
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