Hansa-Theater vor dem Abriss? Im Hof Alt-Moabit 47-49 sollen Mikro-Apartments entstehen

Berlin: Hansa-Theater |

Im Jahre 2014 teilte der damalige Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) zum „Hansa-Theater“ mit, dass es mit dem neuen Eigentümer „Vorgespräche über den Umbau zu Studentenwohnungen“ gebe. Drei Jahre später ist ein Bauantrag gestellt worden.

Aus den Studentenwohnungen sind 112 Mikro-Apartments geworden, 25 bis 35 Quadratmeter groß. 2011 hat der jetzige Eigentümer die Wohnhäuser in der Straße Alt-Moabit 47-49 samt dem 1888 ursprünglich als Veranstaltungssaal von der Berliner Kronenbrauerei errichteten Bau im Hof erworben. Der Saal steht nicht unter Denkmalschutz. Nach erteilter Baugenehmigung könnten die Bagger binnen vier Wochen anrollen.

Die alten Moabiter trauern schon seit Langem um das geschichtsträchtige Saalgebäude: 1889 „Stadttheater Moabit“, 1923 Großkino, 40 Jahre später als Hansa-Theater wiederbelebt. Stars wie Brigitte Mira, Heinz Erhardt, Harald Juhnke, Anita Kupsch und Eddi Arent traten dort auf. 1999 begann der Abstieg, 2009 fiel endgültig der Vorhang, abgesehen von einem neuen Versuch 2011, der aber scheiterte. Das Gebiet mit der Turmstraße und Alt-Moabit ist zum Sanierungsgebiet erklärt worden. Gegner von Abriss und Neubebauung des Grundstücks sprechen von einer Rückkehr zu Wohnverhältnissen wie zu Zilles Zeiten um 1900, würde der Eigentümer wie geplant bauen dürfen: eng, dunkel und muffig.

Galgenfrist oder neue Perspektiven

Bei KoSP, dem Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement, das das Sanierungsgebiet betreut, hält man die geplante dichte Bebauung ebenfalls städtebaulich für nicht verträglich. Wie Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) wissen lässt, wurde das Bauvorhaben am 19. Oktober zwar bauaufsichtlich genehmigt, nicht aber sanierungsrechtlich. Der negative Bescheid datiert vom 15. November. Der Investor hat dagegen Widerspruch eingelegt. Es werde dazu ein Gespräch geben, so Gothe. Kann der Investor die Bedenken der Bauaufsichtsbehörde ausräumen, darf er bauen, gelingt es ihm nicht, muss er den Klageweg beschreiten. Das Hansa-Theater hat also entweder eine Galgenfrist oder ganz neue Perspektiven.
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