Seit April machen Trickbetrüger die Gegend um die Jagowstraße unsicher

Moabit. "Wir haben die Schnauze voll." Michael Rilling ist wütend. Schon drei Mal in kurzer Zeit ist er von Trickbetrügern und Einbrechern heimgesucht worden.

Rilling betreibt ein Café in der Jagowstraße. "Wir rackern hier, damit die Straße attraktiver wird." Und dann würden Kleinkriminelle die Gewerbetreibenden bestehlen und betrügen. Seit April hätten die Straftaten abrupt zugenommen, sagt Michael Rilling. "Wir leiden sehr."

Aus dem Kinderladen wurde ein teurer Kinderwagen entwendet, von der Straße ein Auto gestohlen. Alle Scheiben eines kroatischen Restaurants wurden eingeschlagen. Bei einer Sicherheitsfirma in Alt-Moabit versuchten die Täter, die Kasse auszurauben. Dreimal ausgeraubt wurde ein weiteres Speiselokal. Zwei Einbrüche kurz hintereinander - ein Ladeninhaber in der Gotzkowskystraße schläft jetzt lieber in seinem Geschäft. Einer Geschäftsfrau wurden 500 Euro und ihr Handy entwendet.

Am häufigsten aber sind die Fälle von Trickbetrug. Die Masche: Der oder die Täter geben sich als Mitarbeiter eines Geschäfts oder Restaurants in der Nachbarschaft aus und bitten um Wechselgeld.

Opfer eines solchen Betrügers ist Rillings Nachbarin in der Jagowstraße, Amandara S., geworden. "Der Mann hat behauptet, er komme vom griechischen Lokal nebenan. Er sah einem Mitarbeiter zum Verwechseln ähnlich." S. gab dem etwa 40-Jährigen das Wechselgeld, rund 200 Euro in Münzen und kleinen Scheinen. Das Geld in großen Scheinen hatte der Mann nicht dabei. Er wollte es Amandara S.’ Sohn geben. Der ging mit in die Zinzendorfstraße. "Ich bin gleich wieder da", war das Letzte, was der 18-Jährige vom Täter hörte. Der verschwand in Haus Nummer 9. Mit dem Wechselgeld-Trick sind Gewerbetreibende allein in der Jagowstraße über 1000 Euro losgeworden.

"Die Polizei guckt weg", kritisiert Michael Rilling. "Sie hat mir empfohlen, eine Alarmanlage zu kaufen." Amandara S. sagten die Ordnungshüter, sie hätten für ganz Moabit nur vier Streifenwagen. Die Berliner Polizei hat sich bis Redaktionsschluss zum Problem nicht geäußert.


Karen Noetzel / KEN
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