Grüne Kandidaten informieren sich über Arminiusmarkthalle

Renate Künast und Özcan Mutlu von den Grünen erfahren von Marktleiter Yiannis Kaufmann (links) etwas über die Moabiter "Markt-Wirtschaft". (Foto: KEN)

Moabit. Andere sonnen sich noch am Strand, doch in Berlin sind die Sommerferien schon zu Ende. Der Bundestagswahlkampf läuft auf vollen Touren. Die Kandidaten eilen - oder hetzen - von einem Termin zum nächsten. Schlaf ist dieser Tage wohl eher Mangelware. Präsenz ist gefragt: der Blick in Kameras, das Gespräch mit potenziellen Wählern und die Motivierung der Wahlkampftruppe.

So stand bei der Berliner Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast, am vergangenen Freitag ein Besuch an einem Traditionsort im Terminkalender. Gemeinsam mit dem Direktkandidaten der Partei für Mitte, Özcan Mutlu, und Wahlhelfern unternahm sie einen Rundgang durch die Moabiter Arminiusmarkthalle. Die zehnte von 14 Berliner Markthallen, einst auch Markthalle Arminiusstraße oder Markthalle X genannt, wurde 1891 nach den Plänen des Architekten Hermann Blankenstein aus vorgefertigten Bauteilen als Eisenkonstruktion in nur einem Jahr errichtet. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde zum 100. Geburtstag umfangreich renoviert. Einen Neustart gab es im Herbst 2010, als die Zunft AG die Arminiushalle als "Ort der guten Dinge", als Kaufhaus für regionale und Manufaktur-Produkte und Veranstaltungsort übernahm. Auch eine Brauerei ist vor Ort. In der Halle hat die Kunstinstallation "Gebetomat" von Oliver Sturm Platz gefunden. Der einem Fotoautomaten nachempfundene Automat gibt über 330 Gebete in mehr als 65 Sprachen wieder. Politische Themen wurden an diesem Nachmittag wohl bewusst nicht angeschnitten, abgesehen vom "Happy Veggie Day". Die Grünen haben die Einführung eines fleischlosen Tages in der Woche vorgeschlagen. Marktleiter Yiannis Kaufmann reagierte gelassen. "Wenn die Leute in den Kantinen kein Fleisch mehr bekommen, kommen sie eben zu uns.""Ich mag geschmacksintensive Sachen wie Curry", verriet Renate Künast. Am Stand der Bioland-Wild- und Geflügeloase erfuhren die beiden Kandidaten vom Preisanstieg bei Hähnchen, der steigenden Nachfrage nach Bio-Produkten und der zunehmenden Tendenz beim Verbraucher, in Markthallen lieber an den Ständen etwas zu verzehren als einzukaufen. Zwar könne er sich in diesem Jahr über eine Umsatzsteigerung von zehn Prozent freuen, so der Markthändler, es fehlten aber die jungen Leute.

"Die Leute suchen etwas Gemütliches und die Erinnerung an früher", meinte Renate Künast. Vor der Neuland-Fleischerei Hoffmann versprach die Spitzenfrau der Grünen, einmal hier einzukaufen, "vielleicht an einem Samstag". Gegenüber, am Fischstand, staunte Özcan Mutlu nicht schlecht über frischen Seetang aus Mexiko. Er kritisierte jedoch die weiten Transportwege. "Ökologisch bedenklich", so Mutlus Urteil. Vorbei ging es am Imbiss, wo die Dreharbeiten für die legendäre Reihe "Drei Damen vom Grill" stattgefunden haben, am Stand für Tausch und Verkauf von Groschenromanen und Comic-Heften, an einer Backwarentheke, wo die Schrippe zum "Dauerniedrigpreis" nur fünf Cent angeboten wird, und vorbei am krassen Gegensatz, der Bio-Vollkornbäckerei Mehlwurm, wo man für Regionales mehr berappen muss, aber sicher sein kann, dass die Brötchen nicht aus der Ukraine stammen.

Nach einem Foto mit der ältesten Marktbeschickerin, der 77-jährigen Erika Fechner, einem echten Moabiter Urgestein, die seit 45 Jahren im Blumengeschäft arbeitet, und einem Eis ging es für die beiden Grünen-Politiker gleich zum nächsten Termin. Renate Künast in ihrer schwarzen Limousine, Özcan Mutlu in seiner wahlwerbebunt bemalten Rikscha mit eigener Muskelkraft.


Karen Noetzel / KEN
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