HTW-Studenten bringen eine Moabiter Grundschule auf Vordermann

Die Studenten der HTW auf dem Schulhof der Grundschule. Insgesamt haben sie über 350 Arbeitsstunden investiert. (Foto: privat)

Moabit. Angestoßen durch ein Studienprojekt haben Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) das Gebäude der Moabiter Grundschule in der Paulstraße aufpoliert. Beide Seiten sind begeistert.

Damit ein öffentliches Gebäude ordentlich betrieben werden kann, muss es erst einmal in Ordnung gebracht werden. Deshalb haben rund 30 Studenten der HTW in Niederschöneweide für die Moabiter Grundschule nicht nur ein theoretisches Musterbuch erstellt, in dem die idealen Prozesse zur Unterhaltung dargelegt sind, sondern auch gleich selbst Hand angelegt. Während der theoretische Teil zum Seminar gehörte, waren die gut 350 Stunden Praxiseinsatz vor Ort völlig freiwillig. Professorin Regina Zeitner unterrichtet die Master-Studenten im Fach Facility Management, also in der Gebäudeunterhaltung und -bewirtschaftung. Für die Grundschule sollten ihre Studenten darlegen, was es für den Betrieb des Gebäudes braucht und vor allem wer wofür zuständig ist. "Allein in der bezirklichen Verwaltung sind mit dem Schul- und dem Bauamt, dem Energie- und dem Facility Management sowie mit dem Grünflächenamt fünf Stellen zuständig und die Schnittstellen sind nicht definiert", beklagt sie. Die Studenten sollten in einem Musterbuch unter anderem für das Bezirksamt festlegen, wo Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.

Zeitners Vorschlag, konkrete Missstände auch gleich selbst zu beseitigen, hätten sich die Studenten "schnell zum eigenen Projekt gemacht". Im Oktober und November haben sie an zwei Tagen die Gärten gesäubert, Sträucher ausgedünnt und einen Bambusgarten angelegt. Im Innern haben sie die Mensa und zahlreiche Fußleisten neu gestrichen und den Keller entrümpelt. "Eben alles Dinge, die die Schule im Normalbetrieb nicht selbst leisten kann", so die Professorin. "Ich war selbst überrascht, wie motiviert die Studenten dabei waren."

Schulleiterin Angela Degel, die für die Studenten eigens eine Wunschliste mit den dringendsten Aufgaben zusammenstellen durfte, ist vom Projekt begeistert. Auch, weil es für ihre Schule eine "Öffnung nach außen" bedeutet habe. "Und weil uns Wünsche erfüllt wurden, auf deren Realisierung wir sonst lange hätten warten müssen." In den kommenden Wochen wollen die Studenten noch einen Baum vor dem Eingang zum Schulhof pflanzen. Außerdem werden ihre Kommilitonen aus dem Fachbereich Kommunikationsdesign ein Leitsystem für die Orientierung im Gebäude entwerfen.

Enttäuscht ist Zeitner lediglich von Stadtrat Ulrich Davids (SPD). Er ist beim Bezirksamt zuständig für das Schulwesen und das Facility Managment. Gemeinsam wollten sie das Projekt Ende des Jahres vor Ort feierlich abschließen. "Er hat dann aber ein paar Stunden vorher noch abgesagt", beklagt die Professorin. Für die Studenten sei das "ein Nackenschlag" gewesen. "Da hätte ich wirklich mehr Anerkennung erwartet." Schließlich sei auch das Buch mit den mustergültigen Prozessvorschlägen dem Bezirksamt kostenlos überlassen worden. Denn dort wird es wohl am nötigsten gebraucht.


Ralf Liptau / flip
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