Junge Christen wollen die Moabiter Kirche wiederbeleben

Stephan Rauhut, Benjamin Schöler, Tobias Horrer und Esther Sommerveld gehören zum Konvent, der die Kirche neu beleben will. (Foto: Liptau)

Moabit. Seit Jahren stand die Reformationskirche verschlossen und beinahe völlig ungenutzt an der Ecke Beussel-/Wiclefstraße. Nun will eine Gemeinschaft junger Christen dem Gemäuer neues Leben einhauchen.

"Wir sind damals zusammengekommen mit der Idee, Kirche neu zu gestalten", sagt Stephan Rauhut beim Gespräch im Gemeindehaus der Reformationskirche. Die Räume standen lange leer. Jetzt haben die jungen Christen des Konvents an der Reformationskirche dort eine Art gemeinschaftliches Wohnzimmer eingerichtet. Sie wollen die Moabiter Kirche als Gebäude sowie die Institution Kirche mit neuem Leben bereichern. "Allerdings innerhalb der tradierten Strukturen der evangelischen Kirche", sagt Rauhut. "Die Kirche hält einen bunten Strauß unterschiedlicher Angebote bereit", sagt Konventsmitglied Benjamin Schöler. "Wir sind eine weitere bunte Blume in diesem Strauß."Rund 25 Christen im Alter von 19 bis 44 Jahren haben im vergangenen Jahr die stillgelegte Reformationskirche wieder aufgeschlossen und den Ort damit wiederbelebt. Dabei sehen sie sich selbst als Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichen Ansichten, nicht als Gemeinde. Im eigentlichen Kirchenraum bieten sie regelmäßig Morgengebete an, feiern am Freitagabend Gottesdienst, zeigen Filme als "Kino unter Kuppeln" oder laden Gäste ein. "Für uns steht dabei der Beziehungsaufbau über den Dogmen", sind sich die Gemeinschaftsmitglieder einig.

Wer in die Kirche kommt, muss nicht gläubig sein. "Wir lassen uns auf das Leben, die Vielfalt und die Kultur in Berlin ein", sagt Konventsmitglied Tobias Horrer. Ihren Glauben wollen sie jedoch "mit ins Gespräch bringen". Momentan hat das neue Leben in der Reformationskirche noch Projektcharakter. Gemeindehaus und Kirche seien zwar grundsätzlich in einem guten baulichen Zustand, trotzdem wären ein paar Renovierungsarbeiten fällig. Ob und wie diese durchgeführt werden können und wie es auf lange Sicht weitergeht, beraten die Konventsmitglieder gerade mit dem evangelischen Kirchenkreis Berlin Stadtmitte.

Von dort gebe es bisher nur erfreute Unterstützung. "Die evangelische Kirche ist immer im Prozess der Weiterentwicklung, da passen wir gut rein", sagt Esther Sommerfeld, ebenfalls Mitglied des Konvents. Auch viele Moabiter seien froh über die Wiederbelebung der Kirche. Vor Kurzem sei eine 90-jährige Frau vorbeigekommen, weil sie Menschen vor der offenen Kirche gesehen habe. "Am nächsten Tag war sie wieder da", erzählt Sommerfeld. Und hat Kekse mitgebracht. Wer die Reformationskirche kennenlernen möchte, kann am Sonntag, 25 November, um 15 Uhr zum Kiezcafé oder am Freitag, 30 November, um 20.15 Uhr zum Gottesdienst vorbeikommen.

Mehr Informationen unter www.refo-moabit.de und 60 93 24 37.

Ralf Liptau / flip
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