Wohnhilfe der Stadtmission besteht seit 30 Jahren

Monika Mietle und Norbert Schlecht kümmern sich zusammen mit ihren Kollegen um Menschen, denen die Obdachlosigkeit droht. (Foto: Liptau)

Moabit. Seit 30 Jahren sind die Mitarbeiter bei der Wohnhilfe der Berliner Stadtmission dafür zuständig, Wege in die Zukunft zu weisen. Sie kümmern sich um Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Oder ihre Wohnung sogar schon verloren haben.

"Früher", sagt Sozialarbeiter Norbert Schlecht, "kamen zu uns die ganz herkömmlichen Stadtstreicher." Also Menschen, die schon seit langer Zeit ohne eigenen festen Wohnsitz auskommen mussten und neue Perspektiven suchten. Schlecht war schon dabei, als die Wohnungshilfe 1982 gegründet wurde. Und hat alle Entwicklungen seither mitbekommen. Seine "Stadtstreicher" kommen heute nur noch selten. "Vor allem seit der Maueröffnung kamen immer mehr Menschen, die jünger und psychisch anfälliger waren." Seit wenigen Jahren würden seine Klienten noch einmal deutlich jünger, seien nun oft im Alter von rund 20 Jahren. "Die kriegen das eigene Leben einfach noch nicht gebacken." Seit drei Jahrzehnten ist die Wohnhilfe Anlaufstelle für diejenigen, die von Obdachlosigkeit bedroht oder schon betroffen sind. Die mittlerweile fünf Mitarbeiter kümmern sich darum, dass beispielsweise der Vermieter seine angekündigte Räumungsklage zurückzieht. Oder Sozialamt beziehungsweise Jobcenter den Mietrückstand leihweise ausgleichen. Das ist die eine Seite. "Menschen, die über längere Zeit ihre Miete nicht mehr zahlen konnten, haben aber meist noch andere Probleme", sagt Sozialarbeiterin Monika Mietle.

Sie leiden also beispielsweise unter einer Sucht, sind körperlich beeinträchtigt oder haben psychische Probleme. "Auch dabei versuchen wir natürlich, sie zu unterstützen", sagen die beiden. "Wir sind keine Therapeuten, aber wir vermitteln die Klienten weiter und nehmen sie an die Hand." Die extremeren Fälle sind die, bei denen die Menschen ihre Wohnung bereits verloren haben. "Seit ungefähr zwei Jahren wird es immer aussichtsloser, dann noch bezahlbaren Wohnraum zu finden", beklagt Schlecht. Denn die Mieten seien deutlich gestiegen, und Vermieter würden darüber hinaus oft nur ungern an ehemals Obdachlose vermieten. Momentan unterhält die Wohnhilfe insgesamt 30 Wohnungen.

Acht davon sind im festen Bestand und werden immer wieder neu an Klienten vergeben. Die restlichen 22 wurden für einzelne Klienten angemietet. Sobald die Betreuung durch die Stadtmission abgeschlossen ist, sollen sie sie dann selbstständig übernehmen.

"Und das hat in den vergangenen 30 Jahren häufig funktioniert", freuen sich die beiden. Sie zeigen dabei stolz ihre "Erinnerungsecke", die einzelne positive Entwicklungen von Klienten mit Fotos dokumentiert. "Wenn das Ganze nicht auch oft zum Erfolg führen würde", sagt Schlecht, "würden wir die Arbeit nicht schon so lange machen."

Mehr Informationen zur Wohnhilfe der Berliner Stadtmission in der Turmstraße 35a gibt es unter 395 20 74 und www.berliner-stadtmission.de

Ralf Liptau / flip
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