Bürger diskutieren in der Stadtteilwerkstatt über die Zukunft ihres Kiezes

Hier drückt der Schuh: Mit Fähnchen wurden die Orte in Moabit-West markiert, für die Anwohner Verbesserungsvorschläge und Ideen haben. (Foto: KEN)
Berlin: Stadtschloss Moabit |

Moabit. Was stört und nervt? Welche Missstände gibt es? Was wird gewünscht? Das Quartiersmanagement (QM) Moabit-West hat in einer Stadtteilwerkstatt am 7. März die Ideen von Anwohnern für eine positive Entwicklung im Kiez gesammelt.

Mehr als 50 Anwohner waren in den Nachbarschaftstreff in der Rostocker Straße 32 gekommen, um über die Herausforderungen und die Aufgaben zu diskutieren, die sich künftig für Moabits Westen stellen. "Eine Aufbruchstimmung ist spürbar", so ein Teilnehmer. Das sei nicht immer so gewesen. "Es ist toll, gemeinsam etwas zu bewegen." Was insbesondere auf den Nägeln brenne: die Jugendarbeitslosigkeit im Kiez, die Qualifizierungsmöglichkeiten der jungen Moabiter und ihre Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, sagte QM-Leiterin Beatrice Pfitzner kurz nach der Veranstaltung. Die Teilnehmer der Stadtteilwerkstatt wünschen sich, dass Unternehmen und Bildungseinrichtungen in Moabit-West miteinander kooperieren. Kita und Schule sind aufgefordert, über Berufe zu informieren. Eltern sollen ermuntert werden, Verantwortung für Bildung und Ausbildung ihrer Kinder zu übernehmen. "Virulent" sei auch das Thema Kinder aus Flüchtlingsfamilien, so Pfitzner. Viele seien traumatisiert. Es fehle jedoch an Pädagogen und an ausreichend Wohnungen.

QM-Mitarbeiterin Carola Fuchs berichtet von verschiedensten Problemen, die die Teilnehmer aufgezeigt hätten: Verkehrsbelastung und Verkehrslärm, mangelnde Parkplätze, fehlende Barrierefreiheit, der häufig ungepflegte bis verwahrloste Zustand von Grünanlagen, zu grelle Leuchtreklamen oder die zu große Dichte von Spielcasinos.

Ideen und Verbesserungsvorschläge zu Kita und Schule, öffentlichem Raum und Wohnumfeld, Nachbarschaft und Zusammenleben, Kinder- und Jugendarbeit, Kultur, Wirtschaft und Arbeit gab es in großer Zahl. Sie reichten von der Einrichtung von speziellen Werkstätten für Geringqualifizierte, der Gründung von Selbsthilfegruppen und eines Familienbündnisses und der Sanierung des Jugendclubs "Schlupfwinkel" in der Kaiserin-Augusta-Allee 98 über Sprachunterricht in arabischer und türkischer Sprache, mehr Angebote der Gewaltprävention, spezielle Räume für Graffiti, ein Schwimmbad und ein Kino bis hin zum Verschönern der Hinterhöfe, damit sie zu Begegnungsorten für die Nachbarschaft taugen, und der Vermietung von leer stehenden Gewerbeflächen an Start-up-Unternehmen.

Das Quartiersmanagement um Beatrice Pfitzner wird die Ergebnisse der Stadtteilwerkstatt auswerten. Sie dienen als Grundlage für die künftige Arbeit. Themen, die nicht direkt an das Quartiersmanagement Moabit-West adressiert sind, gehen nicht verloren. Akteure aus anderen "Förderkulissen" wie "Aktive Zentren" oder "Stadtumbau West" sowie Vertreter der Senatsverwaltung und der Polizei haben ebenfalls an der Veranstaltung teilgenommen und wollen Kritik und Wünsche der Bürger "mitnehmen". Nach den Worten Beatrice Pfitzners trifft sich zudem eine Arbeitsgemeinschaft "Förderkulissen". Dort können die Ergebnisse der Stadtteilwerkstatt ebenfalls besprochen werden.

In kleinem Kreis werden Ideen und Projekte weiterentwickelt. Beispielsweise kommt am 18. März um 17 Uhr die AG Nachbarschaft und Bildung im Stadtschloss, Rostocker Straße 32, zusammen.

Weitere Infos beim Quartiersmanagement Moabit West unter 39 90 71 95 und auf qm-moabit@stern-berlin.de.

Karen Noetzel / KEN
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