Flüchtlinge aus der Levetzowstraße sollten nach Köpenick gehen

Moabit. Die Betroffenen hatten nur 24 Stunden Zeit, ihre Habseligkeiten zusammenzupacken: Wie bei einer Nacht- und Nebelaktion sollten am 30. Januar die rund 150 Bewohner der Flüchtlingsnotunterkunft in der Levetzowstraße in die Wohncontainersiedlung in Köpenick umziehen.

Aufgebrachte Bewohner protestierten und blockierten für kurze Zeit die Levetzowstraße, bis die Polizei die Demonstration auflöste. Die Heimleitung, das private Unternehmen Gierso Boardinghouse, intervenierte beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo). Der SPD-Abgeordnete Thomas Isenberg rief bei Berlins Sozialsenator an. Beides mit Erfolg. Mario Czaja (CDU) widerrief die Anordnung. Das LaGeSo verschob den Umzug auf den 2. Februar. "Die 28 Bewohner, die einer Verlegung zugestimmt haben, können am Montag umziehen, wenn sie das dann noch wollen", sagt die Bezirksverordnete Alev Deniz (SPD). Alle anderen bleiben. Es wird nach einer Verständigung mit den Bewohnern gesucht, um "individuelle Umzugspläne zu erarbeiten", sagte Deniz weiter.

Der Bezirk soll dem LaGeSo alternative Standorte angeboten haben: eine Immobilie im Kapweg und das ehemalige Personalamt in der Seestraße 49, beides in Wedding. Die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung fordert das LaGeSo auf, umgehend die alternativen Unterbringungen zu prüfen und gegebenenfalls instand zu setzen.

Einig sind sich LaGeSo und SPD-Vertreter allerdings im Urteil über die unhaltbaren baulichen und hygienischen Zustände in der Notunterkunft in der Levetzowstraße und folglich über die Notwendigkeit, es aufzugeben. Für das Landesamt ist das Flüchtlingsheim ohnehin nur eine Übergangslösung, eine Schließung seit Langem geplant.


Karen Noetzel / KEN
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