Initiative "Sie waren Nachbarn" drängt auf angemessenes Erinnern an Deportation

Moabit. Die Initiative "Sie waren Nachbarn" will mit mehreren Aktionen Bezirk und Senat dazu bringen, endlich einen Gedenkort am einstigen Deportationsbahnhof an der Quitzow- und Ellen-Epstein-Straße einzurichten.

Es war Kulturstadträtin Sabine Weißler von den Grünen, die nach Jahren des Stillstands wieder Bewegung in die Sache brachte. Nachdem sie in mehreren Gesprächen mit dem Senat die Zuständigkeiten geklärt hatte, gab Weißler bekannt, dass der Bezirk einen Wettbewerb für ein Mahnmal koordinieren werde. Die Verantwortung für die Errichtung hat der Bezirk mittlerweile dem Land übergeben, das die Kosten für den Wettbewerb übernehmen wird. Finanziert werden soll das Mahnmal aus Mitteln der Lottostiftung. Eine Entscheidung fällt im Juni.

Damit diese Entscheidung positiv ausfällt, hat die Initiative "Sie waren Nachbarn" im Vorfeld mehrere Aktionen organisiert. Zuletzt montierten sie am Nachmittag des 19. Mai in einer "nicht ganz legalen" Aktion, so ein Sprecher, an einem Zaun an der Ellen-Epstein-Straße eine fünf Meter lange Tafel mit dem Hinweis "Von hier fuhren Züge ins Gas". Die Tafel hängt etwa auf Höhe des alten, noch vorhandenen, gepflasterten Weges, den Berliner Juden zu den Militärgleisen am früheren Güterbahnhof Moabit gehen mussten. Erhalten sind zudem ein Rest des Bahnsteigs und ein Stück Schiene, allerdings nicht im Original. "Damit wollen wir unserer Forderung Nachdruck verleihen, dass an diesem Ort endlich ein angemessenes Mahnmal zur Erinnerung an die Deportationen errichtet wird", sagte ein Mitglied der Initiative. Auch wenn die Ellen-Epstein-Straße eine Durchgangsstraße und ein "eher anonymer Ort" ist, hoffen die Aktivisten auf entsprechende Resonanz. "Jeden Tag fahren Tausende an diesem großen Schild vorbei." Gleichzeitig hat die Initiative eine Online-Petition auf Change.org gestartet und einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gerichtet. Der ist auch Vorsitzender des Lotto-Stiftungsrats.

Rund 55 000 jüdische Menschen wurden ab 1942 aus Berlin deportiert. Recherchen der Initiative ergaben, dass vom Güterbahnhof Moabit weitaus mehr Menschen in die Vernichtungslager verschleppt wurden als vom Bahnhof Grunewald.


Karen Noetzel / KEN
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