Vor 100 Jahren bauten Arbeiter ihren eigenen Zeltplatz

Dagmar Belitz vom Heimatverein Müggelheim bei der Einweihung der Holztafel. (Foto: Ralf Drescher)

Müggelheim. 1931 drehte Slátan Dudow unter Mitwirkung von Bertolt Brecht den legendären Film "Kuhle Wampe oder: wem gehört die Welt?". Teile davon entstanden auf dem gleichnamigen Arbeiterzeltplatz am Müggelsee, der jetzt ein großes Jubiläum hat.

Vor 100 Jahren fanden sich Berliner Arbeiter am Südufer des Müggelsees ein, um dort den Sommer zu verbringen. In einer kleinen Bucht, heute zwischen dem Hotel "Müggelsee" und dem Restaurant "Müggelhort", standen rund 20 Zelte. Dazu gab es ein paar Waschräume und ein Plumpsklo, fertig war der Campingplatz. Ein Jahrzehnt später standen dort schon 100 Zelte und bis zu 300 Menschen verbrachten den Sommer kostengünstig am Müggelsee. 1935 wurde der Zeltplatz von den Nationalsozialisten aufgelöst.Im vergangenen Jahr gab es im Dorfclub Müggelheim eine Ausstellung zur Geschichte des Campingplatzes, der zeitweilig sogar eine eigene Bushaltestelle am Müggelheimer Damm hatte. "Während der Ausstellung kam uns die Idee, an originaler Stelle an Kuhle Wampe zu erinnern", erzählt Dagmar Belitz von der AG Heimatgeschichte des Heimatvereins Müggelheim. Sie nahm Kontakt zum zuständigen Forstamt auf und bald schon wurde eine Holztafel angefertigt. Sie befindet sich direkt am Uferweg, dort, wo vor 100 Jahren die ersten Zelte der Berliner Arbeiter standen. Zur feierlichen Übergabe kamen auch einige ältere Herren in Lederjacken, Mitglieder des Motorradklubs "Kuhle Wampe". Dessen Mitglieder stehen - wie einst die zeltenden Arbeiter - politisch links. Die ganze Geschichte ihres Namenspatrons haben sie erst vor wenigen Jahren erfahren. Der neue Campingplatz "Kuhle Wampe" befindet sich ein paar Kilometer entfernt vom historischen Ort am Ufer der Großen Krampe. Dort beziehen Berliner in der Sommersaison als Dauercamper ihre Leinwandvilla.


Ralf Drescher / RD
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