Hauptmanns-Klub vor dem Aus?

Vereinsvorsitzende Rita Waldukat (Mitte) und die ehrenamtlichen Mitarbeiter Elke Beck und Michael Kurlandt kämpfen um den Erhalt des Klubs. (Foto: Josephine Klingner)
Berlin: Hauptmanns-Klub |

Köpenick. Der Hauptmanns-Klub 103,5 in der Wendenschloßstraße, eine generationsübergreifende Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung, hat jüngst fünften Geburtstag gefeiert. Ein Jubiläum mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn es steht laut Verein finanziell schlecht um die Freizeiteinrichtung.

Seit gut zwei Jahren existiert der Klub ohne staatliche Förderung. Die letzten Bundesfreiwilligen beendeten Mitte des Jahres ihren Dienst. Weitere Mitarbeiter mussten entlassen werden. Ehrenamtliche arbeiten nun bis in den späten Abend, um die Einrichtung am Leben zu erhalten. Bereits im April hatte der Verein angedroht, schließen zu müssen – zog vor das Rote Rathaus, um die Finanzierung der Begegnungsstätte einzufordern. Er wurden nicht erhört: „Nicht einmal eine Gardine hat sich bewegt. Es tut mir in der Seele weh, dass dieses inklusive Projekt am schnöden Mammon scheitert“, sagt Karl-Heinz Labetzsch, Mitglied des Klubbeirats. 60 000 Euro jährlich würden reichen, um den Klub zu erhalten.

Auf Nachfrage der Berliner Woche beim Amt für Soziales heißt es indes: „Der Träger des Hauptmanns-Klub, der Verein Beschäftigungsagentur Berlin-Brandenburg (BABB), hat vor Jahren einen Antrag auf Zuwendungen aus den Haushaltsmitteln des Landes Berlin gestellt. Dieser wurde damals abgelehnt, weil die Finanzierung des Gesamtprojekts nicht gesichert war.“ Ein erneuter Antrag auf Fördermittel sei bis heute nicht eingegangen.

Ein weiteres Problem: Die BABB ist anerkannter Träger der freien Jugendhilfe und laut KJHG-Ausführungsgesetz von den Mietkosten befreit. Gleiches gelte somit für den Hauptmanns-Klub, meint Vereinsvorsitzende Rita Waldukat. Deshalb zahlt der Verein seit September 2014 die Miete in Höhe von rund 2000 Euro nicht mehr. „Das will die Degewo als Eigentümer der Räume aber nicht anerkennen und hat ein Mahnverfahren eingeleitet“, so die Vorsitzende. Die Degewo versichert dagegen, dass sie nach wie vor für Gespräche offen sei und auf eine Einigung hoffe. „Um Klarheit zu schaffen, lassen wir den Mietvertrag gegenwärtig auf seine Rechtmäßigkeit hin prüfen“, sagt Sprecher Lutz Ackermann.

Rund 300 000 Euro hat vor fünf Jahren der Umbau des Aldimarkts zur Begegnungsstätte gekostet. Finanziert wurde dies aus Eigenmitteln des BABB in Höhe von 70 000 Euro. 30 000 Euro kamen vom Wohnungsunternehmen Degewo, das Eigentümer der 700 Quadratmeter großen Einrichtung ist. 195 000 Euro stammten aus Lottomitteln, wobei diese mit 165 000 Euro nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Monatlich besuchen rund 1500 Menschen die Einrichtung. Unter ihnen sind etwa 20 Prozent Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung. Sie nutzen die Hausaufgabenhilfe, Computerkurse und weitere Freizeitangebote.

Der Hauptmanns-Klub will nun noch einmal mit Nachdruck auf die prekäre Situation aufmerksam machen und sich mit der Broschüre „Ist Inklusion in Berlin kein Menschenrecht?“ an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) sowie die Fraktionen im Abgeordnetenhaus und in der Bezirksverordnetenversammlung wenden. JK
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