Ausstellung zeigt Fotos von Hauseingängen

Ein Alien zierte mal einen Hauseingang an der Barther Straße. Andreas Geisel, Wolfgang Mattern und der Kurator Gunnar Müller eröffneten die Schau. (Foto: Wrobel)

Lichtenberg. Sie haben einst den betongrauen Alltag ein wenig bunter gemacht, die Bilder an den Hauseingängen der Plattenbauten der Großsiedlung Neu-Hohenschönhausen. Eine Fotografie-Ausstellung erinnert an diese DDR-Alltagskunst.

Noch bis zum September nächsten Jahres wird im Bezirk das 30-jährige Jubiläum der Entstehung der Großsiedlung Neu-Hohenschönhausen gefeiert. Als die Plattenbauten entstanden, waren sie gerade unter Familien sehr begehrt. Viele Bewohner stießen sich jedoch an der Monotonie der Häuser, die sich wegen der standardisierten Architektur alle zum Verwechseln ähnlich sahen. Gerade Kinder hatten Probleme, sich inmitten des Meeres an betongrauen Hauseingängen zurechtzufinden.

"Aus diesem Grund entstanden die originellen Bilder an den Hauseingängen. Ihre Funktion war, den Kindern eine Orientierung zu geben", sagt Bürgermeister Andreas Geisel (SPD). Am 28. August eröffnete er die Ausstellung "Bemalungen an Häusern in Hohenschönhausen 1984-1989", die noch bis zum 2. Oktober im Ratssaal des Rathauses in der Möllendorffstraße 6 zu sehen ist. Mieter hatten damals die Hauseingänge mit bunten Motiven bemalt.

"Die Bilder waren in der Form einer volkstümlichen Bemalung gehalten. Weil sie sich vor allem an die Kinder richteten, waren hier oft Figuren bekannter Märchen abgebildet", sagt Gunnar Müller, der Kurator der Ausstellung.

Heute ist kein einziges dieser Bilder mehr erhalten, denn im Zuge der Sanierung und Wärmedämmung der Plattenbauten wurden die Bemalungen abgetragen. Dass es trotzdem möglich ist, an die Vielfalt der Bilder in der Form einer Foto-Dokumentation zu erinnern, dafür sorgte der heute 85-jährige Heimatforscher Wolfgang Mattern aus Alt-Hohenschönhausen.

Der einstige Lehrer hatte 1984 vom Heimatverein Hohenschönhausen den Auftrag bekommen, die Bilder an den Häusern zu dokumentieren. Mit dem Fahrrad streifte er durch die Siedlung und fotografierte die schönsten Motive. "Schon damals zeichnete sich ab, dass viele der Bilder in ihrer ursprünglichen Form nicht erhalten bleiben werden", erinnert sich Mattern. Viele Bilder wurden übermalt oder durch andere ersetzt.

"Über 500 dieser Hausfassadenbilder konnte ich dokumentieren. Das zeigt, wie kreativ die Bewohner gegen die Eintönigkeit der Wohnblöcke vorgingen."

Die Ausstellung ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Karolina Wrobel / KW
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